Aus der einfachen Grundkonstellation von zwei ineinander geschobenen Kuben resultiert eine formale Logik, die dem Gebäude eine reine und universelle Erscheinung verleiht. Das Gebäude ist mehrachsig symmetrisch und basiert auf strengen geometrischen Regeln.

Nationalparkzentrum, Zernez

Architekten Valerio Olgiati, Architekt ETH / SIA
Projektbeginn 2003
Realisation 2006-2008
Bauleitung Rico Stupan, Architectura DC SA, Scuol; Claudio Bulfoni, Castellani & Bulfoni, Scuol
Ingenieure Jon Andrea Könz, Ing.-Büro, Zernez; Dr. Schwarz Consulting, Zug
Bauherrschaft Schweizerischer Nationalpark, Zernez

Angesichts der räumlichen Begrenztheit der bisherigen Informationsstelle entschied sich die Leitung des Schweizerischen Nationalparks für den Neubau eines Besucherzentrums in unmittelbarer Nähe des Schlosses Planta-Wildenberg in Zernez. Das im Wettbewerb prämierte Projekt von Valerio Olgiati musste aufgrund von Einsprachen verschoben werden und steht nun auf einem Baufeld jenseits der zum Ofenpass führenden Kantonsstrasse.

Was zunächst archaisch, monumental und auch schweigsam wirkt, entfaltet seine wahre Kraft erst im Inneren, innerhalb der Hülle aus 55 Zentimeter starkem Dämmbeton. Durch Verdrehung der vier zur Schnittstelle der beiden Gebäudeteile hin orientierten Wände entsteht in der Mitte der beiden Obergeschosse ein sternförmig ausgreifender Raumbereich. Dieser übernimmt die vertikale Erschliessung und – im oberen Geschoss – die Verbindung zwischen beiden Teilen. Letztere stellt die virtuelle Entsprechung zum Treppenansatz im Erdgeschoss dar, der sich erst nach einigen Stufen beim Einschnitt der Gebäudeecke in zwei unterschiedliche Treppenläufe spaltet. Was im Grundriss absolut klar wirkt, wird indes völlig anders erlebt.

Nach Ansicht der Jury ist ein Gebäude entstanden, bei dem Sinnlichkeit aus konzeptioneller Schärfung und Radikalität resultiert. Es besteht allein aus einem Material – Dämmbeton – und ist, wie der Architekt es formuliert, «ein einzelner Organismus, alles verbindet sich zu einem unteilbaren Ganzen». Jeder der Ausstellungsräume bietet zudem Ausblicke in vier Himmelsrichtungen, verortet also das Volumen in seiner Umgebung. Leider ignoriert die Dauerausstellung die Potenziale der Architektur.