Inneres und Äusseres sind einander angenähert, aber nicht völlig angeglichen.

Architekten Wespi de Meuron Romeo Architekten, Caviano
Bauzeit Fertigstellung Januar 2015

Bauherrschaft

Familie Jérôme und Paola de Meuron

Bauingenieure

De Giorgi & Partners, Muralto

Das kleine Wohnhaus der Familie de Meuron steht unmittelbar neben dem Architekturatelier im 1981 vollendeten Wohnund Arbeitsturm von Markus Wespi. Die Lage des winzigen Grundstücks, das sich nur dank des Entgegenkommens der Nachbarn überhaupt bebauen liess, ist nicht untypisch für das Tessin. Es liegt am Hang, hoch über dem See, umgeben von höchst unterschiedlichen Häusern und einer üppigen, schon fast tropisch anmutenden Natur. Das Haus reagiert als weitgehend geschlossener, fast trotzig anmutender Turm auf die enge Situation. Der unregelmässige, mit Hochdruck ausgewaschene Beton zeigt sich als eine Art künstlicher Fels, der sich mit Patina noch stärker der Natur annähern wird. Der Reichtum seiner Textur erinnert an die traditionellen Bruchsteinmauern der Nachbarschaft. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Betonieretappen wurden nicht völlig ausgeglichen und die Spuren der Arbeitsfugen nicht kaschiert, sodass die Oberfläche leise über den Prozess des Bauens spricht. Der Baukörper ist alles andere als ein abstraktes Volumen – seine Gestalt reagiert präzise auf die Umgebung: auf die Geometrie von Strasse, Grundstücksgrenze und Nachbarhaus, auf die Topografie und den benachbarten, von hohen Bäumen begleiteten Bach, und nicht zuletzt auf eine Gruppe von Palmen zwischen den Häusern. Betritt man das Haus, ist die Überraschung gross. Man wird in einem Hof empfangen, aus dem man durch den vollständig transparenten Wohnraum hindurch sofort in einen weiteren Hof blickt, der die Sonne einfängt und reflektiert. Die überwiegend durch äussere Kräfte geformte Mauerschale birgt ein rektanguläres Haus im Haus, wobei die Spannung zwischen den beiden Geometrien geschickt genutzt wird, um trotz Innendämmung Kontinuität zu schaffen. Inneres und Äusseres sind einander angenähert, aber nicht völlig angeglichen. Die dunklen Grau- und Schwarztöne im Innern verstärken die Wirkung des Lichtspiels in den beiden Höfen und lassen die Farben erstrahlen. Ein plastisch gestalteter Körper bildet den vertikalen Kern des Hauses. Er integriert den Herd und die Feuerstelle und birgt auch die Treppe, wobei ein Oberlicht die Verbindung zwischen Himmel und Erde unterstreicht. Nicht nur in diesem Element zeigt sich ein Bezug zum Haus Wespi und darüber hinaus zu Frank Lloyd Wright und seinem Erbe, das die Architekten auf eigenständige Weise fruchtbar machen und damit lebendig erhalten.

  • Die Lage am Hang führt dazu, dass das Haus von der Strasse aus als eingeschossiger Pavillon, von unten aber als kleiner Turm in Erscheinung tritt. Die scheinbar freie Anordnung der quadratischen Öffnungen unterstreicht die Körperhaftigkeit und lässt den Bau grösser erscheinen, als er ist.

  • Die plastische Gestaltung der Mauerschale im Eingangshof erinnert gleichermassen an Le Corbusier wie an mittelalterliche Burgen.

  • Im Innern setzt sich das Thema der tiefen Wand mit Schränken und Nischen fort.

  • Auch das solide, klar gestaltete Holzmobiliar im Wohnraum wurde von den Architekten entworfen.

  • Der Wohnraum ist gleichzeitig offen und introvertiert. In der Mauerschale ist die einzige grosse Öffnung so platziert, dass der Blick in die Weite und über den See fällt, während das fast zum Greifen nahe Nachbarhaus ausgeblendet bleibt.

  • Sichtbare Materialität bestimmt auch die Innenräume, doch haben die Oberflächen hier eine feinere Textur und die Stoffe sind eingefärbt.

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