| Armeeausbildungszentrum
St. Luzisteig GR |
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1998-2000
Bauherr: Bundesamt für Armeematerial und Bauten, Gruppe Rüstung
Architekten: Dieter Jüngling und Andreas Hagmann, dipl. Architekten
ETH BSA/SIA Chur
Bauingenieure: Branger, Conzett & Partner, Chur
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| Kantine:
"Haus ohne Fassade" |
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Bau
und Territorium
Die neue Kantine "Panorama" des AAZ St. Luzisteig ist eine
Weiterentwicklung der durch konstruktiv-statisch strukturierte Scheiben
definierten räumlichen Organisation der HTA Chur und des Geschäftshauses
am Ottoplatz, ebenfalls in Chur (vgl. in dieser Internet-Architekturgalerie).
Das Architekten- und Ingenieurteam war bei allen drei Anlagen dasselbe.
Die Kantine liegt im Kernbereich der alten Barockfestung des Waffenplatzes
St. Luzisteig und am Knie des Wegstückes der historischen Verbindung,
der "Deutschen Strasse" von Maienfeld nach Vaduz, das durchs
Areal zwischen den beiden Toren führt. |
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Freier
Grundriss, transparente Räume, stützenfreie Konstruktion
Der Grundriss wird bestimmt durch eine massive Kernzone, die die zudienenden
Räume sowie einen kleinen Sitzungsraum enthält. Um diesen
Bereich herum sind an der Nord- und Ostseite schmale Erschliessungszonen
und an der Süd- und Westfront breite Raumschichten für die
Hauptnutzungen angeordnet. |
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| Über
diesen Nebenräumen prägen 1.2 m hohe vorgespannte Betonscheiben
das Raumbild: 4 Längs- sowie 9 Querträger bilden eine Art
grossräumiger Kassettendecke, die den flexibel unterteilbaren
Gesamtraum gliedern. Die unterschiedliche Materialisierung verdeutlicht
die verschiedenen Funktionen, den unteren, massiven Betonkörper
bzw. die obere, scheibenförmige Tragstruktur, die den Raum in
zwei Ebenen gliedern. |
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"Befreite
Fassade"
Dieses Tragsystem vorgespannter Betonscheiben erlaubt die völlige
Befreiung der Fassade von tragenden Elementen und eine vollkommene
Verglasung in allen Richtungen. |
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| Die Gebäudehülle
kann deshalb als Leichtbaukonstruktion ausgeführt werden, was
auch gezeigt wird, indem möglichst schlanke Holzrahmen zur Anwendung
kommen. Die räumlich-konstruktiven Felder an den Ecken sowie
zwei Mittelfelder des grössten zusammenhängenden Raumes
sind als Kastenfenster ausgebildet. |
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| Die äussere
Verkleidungs- und Schutzschicht im Dachrandbereich besteht aus einer
abgehängten winkelförmigen Betonscheibe. Als nichttragendes
aber vorgespanntes Element ist sie in den Stossfugen entsprechend
gestaltet. |
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| Die Kantine
sitzt auf einem leicht zurückversetzten Sockel, so dass der schwebende
Charakter dieses Baukörpers betont wird, der ja im Unterschied
zu den übrigen Bauten der Anlage auch der Öffentlichkeit
dienen soll. |
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| Neue
Truppentrakte |
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Bau
und Territorium
Die neuen Trakte für Truppenunterkunft TU und Truppenverpflegung
TV definieren das Kasernengelände volumetrisch-räumlich
gegen Nordosten, graben sich in die steil ansteigende Topografie leicht
ein und schliessen das Areal ab. |
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| Die Parallellage
zu den Höhenlinien verstärkt den dynamischen Charakter der
gesamten Bebauung, die mit den alten blitzförmigen ehemaligen
Unterkünften gegenüber dem vorgelagerten achsial aufgebauten
Bollwerk mit dem zentalen Tor im Nordwesten eine asymmetrische Figur
bildet. |
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Rigorose
Raumorganisation
erfinderisches Tragwerk |
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Die
Truppenunterkunft
Die Truppenunterkunft ist durch einen rationellen Grundriss geprägt.
Der Baukörper wird durch zwei gleiche Unterkunftsgeschosse und
einen zurückversetzten Sockel gebildet. Im Kernbereich wird das
Betontragsystem aufgelöst, bzw. seitlich der Türen und in
der Raumtiefe der Garderobenschränke der einzelnen Schlafräume
"abgedreht". |
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| Dadurch
kann im OG ein Oberlicht geschaffen werden ; der entsprechende Bodenabschnitt
ist aus Mattglas ausgebildet, um das Licht bis ins UG wirken zu lassen. |
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| Die Mannschaftsräume
zeigen die Beton-Rohbaukonstruktion im Kontrast zum Ausbau in Holz.
Ungewöhnlich für eine Kaserne sind die Panoramafenster,
die den direkten Bezug zur dramatischen Berglandschaft herstellen.
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| Das Treppenhaus
beim südseitigen Eingang vermittelt im Gegensatz zu den Unterkunftsräumen
eine räumlich eingekapselte Stimmung, entschärft durch die
warme Rottönung des Betons. |
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| Die Umhüllung
des Baukörpers erfolgt mit einer zweiten Betonschicht, die allerdings
vorgespannt worden ist, um Spannungsrisse in der 70 m langen fugenlosen
Fassade zu vermeiden und um Bandfenster und grossflächige Fensteröffnungen
zu ermöglichen. Die Vorspannung erfolgte in zwei Schritten: zuerst
wurde der obere (Sturz-) Teil bis zum Ende des Fensters an den Gebäudeenden
quasi "in der Luft" betoniert und längs vorgespannt.
Der zweite Schritt bestand in der Herstellung der Seitenfronten, die
leicht um die Ecke führen, um die Verbindung mit den vorgespannten
Längsfassadenteilen herzustellen; die Vorspannung wurde also
weitergeführt in den Randteil, um Verformungen zu vermeiden.
Die Arbeitsfugen und das Fugenbild lassen diesen Prozess in der Betonoberfläche
erkennen. Im Unterschied zu den Dillatationsfugen, die bauschadenanfällig
sind, garantiert die Vorspannung eine Langzeitwirkung; Spannungsänderungen
in extremen Klimazuständen werden "bauteil-intern"
verarbeitet. |
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Die
Truppenverpflegung
Der Trakt für die Truppenverpflegung besteht aus zwei leicht
verschobenen Baukörpern; der bergseitige Teil enthält die
Nebenräume, der talseitige die zusammenhängenden, mit Drehtüren
in die Korridorzone zu erweiternden Essräume auf einer Etage. |
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Auch
hier ist das Tragwerk im Kernbereich aufgelöst, um die Zwischenwände
in der Längsrichtung öffnen zu können. Hier wurden
"gegabelte" Stahlstützen eingeführt, um gleichzeitig
ein Oberlicht einzuführen.
Analog
zur Truppenunterkunft musste auch hier in der Fassadenschale zur
Vorspanntechnik des Betons gegriffen werden, um Spannungsrisse zu
vermeiden, Bandfenster zu erzeugen und um den monolithischen Charakter
und die fugenlose Oberfläche des Betons zu erreichen.
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Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil |
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