| Armee-Ausbildungszentrum
Luzern (Neubau) |
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1997-1999
Bauherr: Baudepartement des Kantons Luzern
Betreiber: Amt für Militär des Kantons Luzern
Architekten: Enzmann + Fischer ArchitektInnen, Zürich; Christine
Enzmann, Evelyn Enzmann, Philipp Fischer
Landschaftsarchitekt: Stefan Koepfli, Luzern
Künstlerin: Silvie Defraoui, Vufflens-le-Château
Tragwerksplanung: Desserich + Partner AG, Luzern
Gesamtkonzept Energie und Haustechnik: Dr. Eicher + Pauli AG, Luzern |
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| Raumfigur
– Raumsequenzen |
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Standort
und Situationsentscheid
Der Neubau sowie der sanierte Altbau („Meilibau“)
des Armee-Ausbildungszentrums Luzern liegen am nördlichen Rand
der Allmend vor dem Eichwald. Die volumetrisch-gestalterische Komposition
und die Schonung der Allmend gaben beim Wettbewerb von 1994 den Ausschlag
für den ersten Preis. Beide Bauten bilden, verstärkt durch
eine gemeinsame Plattform als Abgrenzung des Territoriums, eine bauliche
Einheit. |
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Bauaufgabe
Der Neubau sollte einerseits den bestehenden „Meilibau“
mit seinem beschränkten Angebot an vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten
(ehemalige Kaserne mit der entsprechenden Raumstruktur) erweitern
und andererseits als neuer Treffpunkt für militärische,
politische und zivile Veranstaltungen die Neuausrichtung und Öffnung
der Armee XXI symbolisieren mit einem etwas ungewohnten Bild. |
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Raumkonzept
Die Komposition aus vollen und hohlen Raumkörpern erschliesst
sich durch die Wegführung, die einen „parcours architectural“
darstellt. Auf den schlicht in den Kubus gesetzten Eingang folgt ein
kurzer Korridor, der sich durch den aufsteigenden Boden des darüberliegenden
Auditoriums trichterförmig aufs Zentrum hin öffnet. Das
grosse, gegen die Allmend, also gegen Süden, gerichtete Panoramafenster
in der Bel-Étage wirft sein Licht über die breite, öffentliche
Bedeutung vermittelnde Treppe hinunter auf das Zentrum und weist gleichzeitig
den Weg nach oben. |
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| Eine
grosse Halle auf Niveau 2 bildet nun den Abschluss der öffentlich
zugänglichen Betriebsteile. Drei unterschiedliche räumliche
Bezüge sorgen für weitere Überraschungen an diesem
Ort: ein dem Panoramafenster gegenüberliegender „Durchschuss“
macht den Blick frei in den nördlich gelegenen Eichwald, und
eine weitere Halle lenkt den Blick nach oben in einen Atriumshof,
der die betriebsinternen Bereiche mit Aufenthalts- und Gemeinschaftszonen
verbindet. |
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| Auch
die in den nicht-öffentlichen Nutzungsbereichen verlaufenden
Zirkulations- und Erschliessungsräume vermitteln konsequent die
Perspektive räumlicher Durchdringung der Gesamtanlage im Innern
wie mit der Aussenwelt. |
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| Die simultan
wahrnehmbaren Raumbezüge und collageartig überlagerten Raumerlebnisse
ermöglichen eine Transparenz der raum-zeitlichen Zuordnungen
des im Projekt disponierten Raumprogramms. |
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| nnerhalb
der Hülle bestimmt ein System von „Schachteln“ oder
„Behältern“ den Zwischen- oder Hohlraum. Das hybride
Raumprogramm mit klein- und grossräumigen, privaten und öffentlichen
Nutzungen liess das Architektenteam zu einer Art Raumplan-Konzept
greifen: die verschiedenen Raumdimensionen, -höhen, -beziehungen
und -qualitäten hinsichtlich Ausstattung, Belichtung, Akustik
oder Sicherheit erforderten eine ebenfalls hybride Disposition von
Nutzungsgruppen oder „Quartieren“ in unterschiedlichen
Lagen. |
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Betonkonstruktion
und filigrane Hülle
Aus der „luftigen“ Anordnung der Raumbehältern
innerhalb des umschliessenden Quaders ergab sich ein erhebliches
Tragwerksproblem, das mittels Vorspanntechnik gelöst wurde.
Die Betonhüllen um die scheinbar schwebenden Raumbehälter
bilden ein statisch zusammenhängendes Ganzes. Die konstruktiven
Probleme wurden so ins Innere der Anlage delegiert – und auf
den Blut schwitzenden Ingenieur.
Die
Gebäudehülle ist als Curtain wall ausgebildet. Der auf
die Betonwand oder (wo diese fehlt) auf eine Unterkonstruktion montierten
Dämmebene folgt eine hinterlüftete Glasmembran (6 mm Floatglas-Einfachverglasung),
deren Unterkonstruktion mit Baubroncestäben abgedeckt ist,
so dass das Bild einer „smarten Uniform“ erzeugt wird.
Die Mineralwolldämmung ist mit einem schwarzen Glasvlies verklebt
und abgedeckt, so dass eine je nach Saison, Klima, Sonnenlage und
Witterung wechselnde Bildwirkung erzeugt wird.
Die
Normalöffnungen sind Kastenfenster und bestehen aus innenbündiger
Befensterung (Drehfenster in Holz und mit Wärmeschutzverglasung)
sowie derselben äusseren Glashaut wie bei den geschlossenen
Wandteilen, jedoch als Ausstellfenster (mit handbetriebenem Mechanismus)
ausgebildet.
Im
Zwischenraum ist der Sonnen- und Blendschutz angebracht. Die Panoramafenster
liegen konsequent „herausgestülpt“ zwischen der
auskragenden inneren Betonkonstruktion und bestehen aus doppelter
Festverglasung; ringsherum sind die Panoramafenster verkleidet mit
einem vorgefertigten Sichtbetonelement.
Während
die inneren Bewegungsräume sowie die „Voids“ glanzlasierte
Sichtbetonwände aufweisen, das Rohe – im Unterschied
zur Fassade – also sicht- und erlebbar bleibt, behandelten
die Architekten das Innere der einzelnen „Quartiere“
in unterschiedlichen Material- und Farbnuancen: teilweise Holzverkleidung,
teilweise verputzt, beides farblich behandelt, der Bodenbelag in
eingefärbtem Hartbeton. |
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Raumfigur
als Gesamtkunstwerk
Raumfiguren waren das prägende Thema der aufbrechenden Moderne
seit Adolf Loos‘ Raumplan, der als Modell modernen architektonischen
Denkens und Gestaltens gelten kann. Unterschiedliche Konzepte, Ausprägungen
und Ansätze kennzeichneten in der Folge das Baugeschehen im 20.
Jahrhundert. Die aktuellere Debatte wurde wohl ausgelöst –
im Bezug zur de Stjil-Bewegung und zum Raumdenken der Moderne etwa
Le Corbusiers – durch Rem Koolhaas und nachfolgend durch einige
seiner früheren Mitarbeiter wie Winy Maas von MVRDV: mehrdimensionale
Raumschichtungen werden erschlossen durch Raum-Erlebnis-Parcours,
gestaltet als „geologisch“ assoziierte tektonische Gebilde. |
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| Eine
jüngere Generation, dies zeigt auch das Werk von Enzmann + Fischer
ArchitektInnen, scheint diese Entwicklungslinie virtuos weiter zu
verfolgen. Neues und anderes Denken, das Erforschen neuer Eigenschaften
und Möglichkeiten von Materialien, Kombinationen und Technologien
sowie interessierte Bauherrschaften ermöglichen am Jahrhundertübergang
das Vorstossen in die Zukunft neuer Erlebniswelten der Architektur. |
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Literatur
- Kanton Luzern Hochbauamt (Hg.), Armee-Ausbildungszentrum Luzern.
Neubau und Umbau Meilibau, Luzern 1999 (offizielle Bauinformationsbroschüre)
- Fachzeitschriften: Schweizer Ingenieur und Architekt SI+A Nr. 49/50
v. 10.12.1999; Hochparterre 1/2 2000; Fassade 4/2000; Werk, Bauen
+ Wohnen 6/2000; deutsche bauzeitung db Nr. 1/01
- Enzmann + Fischer, Werkbuch, Zürich 2001
Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil |
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