BETONSUISSE Architekturgalerie
 
       

 

Einführung
Aktuell Szene
AAL Luzern (Neubau)
AAZ St.Luzisteig
EFH Adligenswil/LU
EFH Beinwil/AG
EFH Schaan/FL
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KVA Thun
Museum Gertsch Burgdorf
NA Kirche Zuchwil
Schulhaus Bussigny
Schulhaus Eschenbach/SG
Schulhaus Päffikon SZ
Schulhaus Volta Basel
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Parking Le Flon Lausanne
WH Horn/TG
WH Zürich(Zürichberg)
Klassiker
EFH Jona/SG
Gebäude BAG, Bern-Köniz
Hochschule Chur
Hochschule Rapperswil
Laborgebäude Uni Bern
PGH Meister Wollerau SZ
Pharmazentrum Basel
Schulhaus Vella/GR
Umnutzung/Sanierung
AAL Luzern (Altbauten)
Betonpioniere
A1-Tankstelle Deitingen/SO
Bally Tageslichtfabrik
BETONSUISSE Homepage

 

 
Armee-Ausbildungszentrum Luzern (Neubau)
1997-1999
Bauherr: Baudepartement des Kantons Luzern
Betreiber: Amt für Militär des Kantons Luzern
Architekten: Enzmann + Fischer ArchitektInnen, Zürich; Christine Enzmann, Evelyn Enzmann, Philipp Fischer
Landschaftsarchitekt: Stefan Koepfli, Luzern
Künstlerin: Silvie Defraoui, Vufflens-le-Château
Tragwerksplanung: Desserich + Partner AG, Luzern
Gesamtkonzept Energie und Haustechnik: Dr. Eicher + Pauli AG, Luzern
Raumfigur – Raumsequenzen
Standort und Situationsentscheid
Der Neubau sowie der sanierte Altbau („Meilibau“) des Armee-Ausbildungszentrums Luzern liegen am nördlichen Rand der Allmend vor dem Eichwald. Die volumetrisch-gestalterische Komposition und die Schonung der Allmend gaben beim Wettbewerb von 1994 den Ausschlag für den ersten Preis. Beide Bauten bilden, verstärkt durch eine gemeinsame Plattform als Abgrenzung des Territoriums, eine bauliche Einheit.
   

Bauaufgabe
Der Neubau sollte einerseits den bestehenden „Meilibau“ mit seinem beschränkten Angebot an vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten (ehemalige Kaserne mit der entsprechenden Raumstruktur) erweitern und andererseits als neuer Treffpunkt für militärische, politische und zivile Veranstaltungen die Neuausrichtung und Öffnung der Armee XXI symbolisieren mit einem etwas ungewohnten Bild.
 
Raumkonzept
Die Komposition aus vollen und hohlen Raumkörpern erschliesst sich durch die Wegführung, die einen „parcours architectural“ darstellt. Auf den schlicht in den Kubus gesetzten Eingang folgt ein kurzer Korridor, der sich durch den aufsteigenden Boden des darüberliegenden Auditoriums trichterförmig aufs Zentrum hin öffnet. Das grosse, gegen die Allmend, also gegen Süden, gerichtete Panoramafenster in der Bel-Étage wirft sein Licht über die breite, öffentliche Bedeutung vermittelnde Treppe hinunter auf das Zentrum und weist gleichzeitig den Weg nach oben.
 
     
Eine grosse Halle auf Niveau 2 bildet nun den Abschluss der öffentlich zugänglichen Betriebsteile. Drei unterschiedliche räumliche Bezüge sorgen für weitere Überraschungen an diesem Ort: ein dem Panoramafenster gegenüberliegender „Durchschuss“ macht den Blick frei in den nördlich gelegenen Eichwald, und eine weitere Halle lenkt den Blick nach oben in einen Atriumshof, der die betriebsinternen Bereiche mit Aufenthalts- und Gemeinschaftszonen verbindet.  

     
Auch die in den nicht-öffentlichen Nutzungsbereichen verlaufenden Zirkulations- und Erschliessungsräume vermitteln konsequent die Perspektive räumlicher Durchdringung der Gesamtanlage im Innern wie mit der Aussenwelt.  
     
Die simultan wahrnehmbaren Raumbezüge und collageartig überlagerten Raumerlebnisse ermöglichen eine Transparenz der raum-zeitlichen Zuordnungen des im Projekt disponierten Raumprogramms.  
     
nnerhalb der Hülle bestimmt ein System von „Schachteln“ oder „Behältern“ den Zwischen- oder Hohlraum. Das hybride Raumprogramm mit klein- und grossräumigen, privaten und öffentlichen Nutzungen liess das Architektenteam zu einer Art Raumplan-Konzept greifen: die verschiedenen Raumdimensionen, -höhen, -beziehungen und -qualitäten hinsichtlich Ausstattung, Belichtung, Akustik oder Sicherheit erforderten eine ebenfalls hybride Disposition von Nutzungsgruppen oder „Quartieren“ in unterschiedlichen Lagen.  

Betonkonstruktion und filigrane Hülle
Aus der „luftigen“ Anordnung der Raumbehältern innerhalb des umschliessenden Quaders ergab sich ein erhebliches Tragwerksproblem, das mittels Vorspanntechnik gelöst wurde. Die Betonhüllen um die scheinbar schwebenden Raumbehälter bilden ein statisch zusammenhängendes Ganzes. Die konstruktiven Probleme wurden so ins Innere der Anlage delegiert – und auf den Blut schwitzenden Ingenieur.

Die Gebäudehülle ist als Curtain wall ausgebildet. Der auf die Betonwand oder (wo diese fehlt) auf eine Unterkonstruktion montierten Dämmebene folgt eine hinterlüftete Glasmembran (6 mm Floatglas-Einfachverglasung), deren Unterkonstruktion mit Baubroncestäben abgedeckt ist, so dass das Bild einer „smarten Uniform“ erzeugt wird. Die Mineralwolldämmung ist mit einem schwarzen Glasvlies verklebt und abgedeckt, so dass eine je nach Saison, Klima, Sonnenlage und Witterung wechselnde Bildwirkung erzeugt wird.

Die Normalöffnungen sind Kastenfenster und bestehen aus innenbündiger Befensterung (Drehfenster in Holz und mit Wärmeschutzverglasung) sowie derselben äusseren Glashaut wie bei den geschlossenen Wandteilen, jedoch als Ausstellfenster (mit handbetriebenem Mechanismus) ausgebildet.

Im Zwischenraum ist der Sonnen- und Blendschutz angebracht. Die Panoramafenster liegen konsequent „herausgestülpt“ zwischen der auskragenden inneren Betonkonstruktion und bestehen aus doppelter Festverglasung; ringsherum sind die Panoramafenster verkleidet mit einem vorgefertigten Sichtbetonelement.

Während die inneren Bewegungsräume sowie die „Voids“ glanzlasierte Sichtbetonwände aufweisen, das Rohe – im Unterschied zur Fassade – also sicht- und erlebbar bleibt, behandelten die Architekten das Innere der einzelnen „Quartiere“ in unterschiedlichen Material- und Farbnuancen: teilweise Holzverkleidung, teilweise verputzt, beides farblich behandelt, der Bodenbelag in eingefärbtem Hartbeton.

 

Raumfigur als Gesamtkunstwerk
Raumfiguren waren das prägende Thema der aufbrechenden Moderne seit Adolf Loos‘ Raumplan, der als Modell modernen architektonischen Denkens und Gestaltens gelten kann. Unterschiedliche Konzepte, Ausprägungen und Ansätze kennzeichneten in der Folge das Baugeschehen im 20. Jahrhundert. Die aktuellere Debatte wurde wohl ausgelöst – im Bezug zur de Stjil-Bewegung und zum Raumdenken der Moderne etwa Le Corbusiers – durch Rem Koolhaas und nachfolgend durch einige seiner früheren Mitarbeiter wie Winy Maas von MVRDV: mehrdimensionale Raumschichtungen werden erschlossen durch Raum-Erlebnis-Parcours, gestaltet als „geologisch“ assoziierte tektonische Gebilde.
   
     
Eine jüngere Generation, dies zeigt auch das Werk von Enzmann + Fischer ArchitektInnen, scheint diese Entwicklungslinie virtuos weiter zu verfolgen. Neues und anderes Denken, das Erforschen neuer Eigenschaften und Möglichkeiten von Materialien, Kombinationen und Technologien sowie interessierte Bauherrschaften ermöglichen am Jahrhundertübergang das Vorstossen in die Zukunft neuer Erlebniswelten der Architektur.  
Literatur
- Kanton Luzern Hochbauamt (Hg.), Armee-Ausbildungszentrum Luzern. Neubau und Umbau Meilibau, Luzern 1999 (offizielle Bauinformationsbroschüre)
- Fachzeitschriften: Schweizer Ingenieur und Architekt SI+A Nr. 49/50 v. 10.12.1999; Hochparterre 1/2 2000; Fassade 4/2000; Werk, Bauen + Wohnen 6/2000; deutsche bauzeitung db Nr. 1/01
- Enzmann + Fischer, Werkbuch, Zürich 2001
Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil
 
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