BETONSUISSE Architekturgalerie
 
       

 

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Armee-Ausbildungszentrum Luzern (Altbauten)
1997-1999
Bauherr: Baudepartement des Kantons Luzern
Betreiber: Amt für Militär des Kantons Luzern
Architekten: Lüscher Bucher Theiler Architekten Luzern; Gesamtleitung Roman Lüscher,
Projekt-/Bauleiterin Sibylle Theiler
Landschaftsarchitekt: Stefan Koepfli, Luzern
Künstlerin: Silvie Defraoui, Vufflens-le-Château
Tragwerksplanung: Senn + Partner AG, Horw
Gesamtkonzept Energie und Haustechnik: Dr. Eicher + Pauli AG, Luzern
Meilibau – Skulptur in der Landschaft
Standort und Situationsentscheid
Der sanierte Altbau („Meilibau“) wie auch der Neubau des Armee-Ausbildungszentrums Luzern liegen am nördlichen Rand der Allmend vor dem Eichwald. Die volumetrisch-gestalterische Komposition des Neubaus und sein Bezug zur alten, 1935 durch Armin Meili gebauten Kaserne sowie die Schonung der Allmend gaben beim Wettbewerb von 1994 den Ausschlag für den ersten Preis für den neuen Baukörper und seine topografische Verknüpfung mit dem Meilibau. Beide Bauten bilden, verstärkt durch eine gemeinsame Plattform als Abgrenzung des Territoriums, eine bauliche Gesamtkomposition, die eine starke skulpturale Dimension aufweist.
   
Bauaufgabe
Die gesamte Bauaufgabe bestand aus drei Teilprojekten: Aussenhauterneuerung Meilibau, Innensanierung Meilibau und Neubau. Für die ehemalige Kaserne musste eine Umnutzungsstrategie entwickelt und die Raumstruktur sowie die Innenraumgestaltung entsprechend angepasst werden. Zusätzlich bestand ein dringendes Bedürfnis nach einer Instandstellung der Aussenmauern, Fenster und Dächer. Die Unterkunftsräume sollten fortan nicht mehr Rekruten, sondern Offizieren und dem Armeekader dienen. Zusätzlich wurden zahlreiche Unterrichts- und Theorieräume sowie Büros und Aufenthaltszonen gewünscht, so dass die Baustruktur in den ersten beiden Geschossen, gegenüber den oberen Unterkunftsgeschossen, verändert werden musste.
 

Raumkonzept
Der Meilibau erfuhr im Innern konzeptionell eine Öffnung (entsprechend dem Leitbild und der Neuausrichtung der Armee XXI), indem zum einen sich die Korridore in weiträumige und modern eingerichtete Zirkulations- und Aufenthaltszonen verwandelten, zum andern die verschiedenen Erschliessungsbereiche mit Glastüren getrennt, so aber räumlich miteinander verbunden wurden, und schliesslich die Theorieräume gegenüber den allgemeinen Bewegungszonen mit einem Oberlicht versehen sind. So wird jetzt im Innern ein räumlich-optischer Gesamtzusammenhang wahrnehmbar. Zusätzlich wurden im EG-“Korridor“ die gegen den Eichwald orientierten früheren „Lochfenster“ durch grosse Bandfenster ersetzt – der einzige rabiate Eingriff in die bestehende Betonfassade.
 
 
Unterstützt wird diese Erneuerungsstrategie durch ein durchgängiges Gesamtkonzept mit modernster Möblierung, Farbigkeit und Beleuchtung. Der Beton ist roh belassen, wo er tragende Funktion ausübt und sichtbar ist, um den historischen Bezug zur Epoche der Moderne, in welcher Armin Meili die Kaserne baute (1935) herzustellen. Die Authentizität wird ebenfalls visualisiert in der expressiven Art der freigelegten Betontragstruktur, was die skulpturale, räumlich-plastische Ausdrucksstärke auch des Inneren des Meilibaus betont.  
 
Der deutlichste Ausdruck der Modernität findet sich im weiträumig und grosszügig gestalteten Eingangsbereich, der über eine breite Treppe erstiegen wird, und den für ein Armeeausbildungszentrum erstaunlichen Eindruck einer Lounge oder eines Foyers vermittelt.  
 
Die Eingangstreppe ist in einer Art Loggia mit weiträumigem Landschaftsbezug eingebaut und betont durch ihre Monumentalität die nunmehr wiedergewonnene bzw. uminterpretierte Bedeutung der Gesamtanlage gegenüber dem städtischen und landschaftlichen Kontext.  
 
Die Loggia, die mit Oberlichtern versehen wurde, bildet das Gelenk zwischen den drei Baukörpern: dem niedrigen südwärts gerichteten ehemaligen Offiziers-, heute Bürotrakt, dem Unterkunfstkörper und dem zur Stadt gerichteten „Turm“.    

Betonsanierung
Die oberste Schicht der sanierungsbedürftigen Betonfassaden musste bis zu einer Tiefe von 30-60 mm mittels Hochdruckwasserstrahlen abgetragen werden (in der Fläche mit einem Roboter, im Bereich der Fenster, Dillatationen und übrigen schwierigen Stellen mit Handlanzen). Sodann wurden Risse saniert und überbrückt, wo nötig punktuell Zusatzarmierungen angebracht und die Oberflächen gereinigt. Darauf wurde ganzflächig eine rostfreie Armierung sowie – mit Abstand – die neue Schalung mit rohen Brettern versetzt und schliesslich der zusätzliche Beton eingebracht (Spezialbeton mit Zuschlägen und Nachbehandlung, ca. 50-80 mm dicke Schicht). Die neue Oberfläche wurde dann noch mit einer CO2-bremsenden Beschichtung versehen, um eine Lebensdauer von weiteren 25 Jahren zu gewährleisten. Eine rohe Bretterschalung wurde verwendet, um das alte Fassadenbild zu vermitteln

Der Bildvergleich zwischen alter und sanierter Fassade verdeutlicht einerseits die erfolgreich gewählte Strategie der Rekonstruktion und des Nachvollzugs des historischen Bildes, andererseits die Möglichkeiten, mit heutiger Technologie eine 65 Jahre alte Betonkonstruktion mit hoher gestalterischer Qualität auf das Niveau der aktuellen Anforderungen an technische und ästhetische Standards zu bringen.So erscheint nun der Meilibau in neuem Glanz und mit einem perfekten Outfit.

 

Meilibau als Gesamtkunstwerk
Anders als der AAL-Neubau kann der umgenutzte und sanierte Altbau für sich in Anspruch nehmen, von einer Mannschaftsunterkunft (allerdings mit hoher architek-tonischer Qualität) zu einem modernen und eleganten Ausbildungszentrum umge-wandelt worden zu sein – der Geist von Kampfbahn und Wachhäuschen ist jenem von menschlicher Würde und Kommunikation gewichen. Doch ohne die bahnbrech-ende und zukunftsweisende Vision von Armin Meili, einem prominenten Mitstreiter der um die CIAM versammelten Architekten der Moderne, hätte eine Erneuerung im Geiste der Modernität durch das Architektenteam Lüscher Bucher Theiler gar nicht greifen und zu einer neuen Qualität transformiert werden können.

Doch der neue Meilibau lebt auch im Ensemble mit dem Neubau wieder auf, erfährt eine räumlich-plastische Bereicherung und einen anderen Akzent: sein „Turm“ eriehlt durch das Projekt von Enzmann + Fischer ArchitektInnen einen mitspielenden Kontrahenten. Es ist dem Landschaftsplaner und -architekten Stefan Koepfli zu verdanken, einen wesentlichen Anteil an die Ensemblebildung beigetragen zu haben und durch ein subtiles, aber spürbares topografisches Konzept den Bezug von alter und neuer Moderne thematisiert und inszeniert zu haben.

 

Literatur
- Kanton Luzern Hochbauamt (Hg.), Armee-Ausbildungszentrum Luzern. Neubau und Umbau Meilibau, Luzern 1999 (offizielle Bauinformationsbroschüre)
- Fachzeitschriften: Schweizer Ingenieur und Architekt SI+A Nr. 49/50 v. 10.12.1999
Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil
 
     

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