BETONSUISSE Architekturgalerie
 
       

 

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Laborgebäude Zoologisches Institut Uni Bern

1998-2000
Bauträgerschaft: Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern,
vertreten durch das Hochbauamt
Architekt und Bauleitung: Andrea Roost Architekt BSA/SIA/SWB, Bern
Bauingenieur: H.P. Stocker & Partner, Bern
Kunst und Bau: Albrecht Schnider, BerlinGerstner

Sinnliche Mauer

Standort und städtebauliche Situation
Das universitäre Viertel zwischen Muesmatt-, Freie-, Bühl- und Sahlistrasse ist historisch stark geprägt durch die lnstitutsbauten der Uni Bern, einem Hauptwerk von Otto R. Salvisberg aus dem Jahre 1931. Der von Andrea Roost 1981 errichtete Vorgängerbau reagierte schon auf die Auditoriums-"Höcker" von Salvisberg und setzte diese (das dritte und vierte) durch die Axialsymmetrien des Doppelbaus in ein Bezugsystem. Der dritte, nordwestlich gelegene Trakt ist Fortsetzung und Abschluss zugleich; auch dieser Erweiterungsbau setzt seine Mitte in die Axe, diesmal des zweiten Auditoriums von Salvisberg.

   

Das neue lnstitutsgebäude nimmt die Thematik der Grossform, des Sichtbetons und des symmetrischen Rhythmus repetitiver Elemente des Salvisberg-Baus auf und interpretiert sie in Form einer vielschichtigen Innenwelt. Städtebauliche Grossform und verräumlichtes Innenleben sind komplementäre architektonische Gestaltungsräume.  

Bauaufgabe
Nebst den funktionellen Aufgaben, nämlich mehrere teilweise neue Abteilungen des Zoologischen Instituts in einem einheitlichen Baukörper unterzubringen, bestand die architektonische Aufgabe darin, die Gestaltungsansätze der bestehenden, 1981 errichteten Anlage zu reflektieren und auf die neuen Bedürfnisse zu reagieren: während volumetrische Ordnung, Sichtbetonfassade und Endlosmuster der Fensterreihen eine Fortsetzung fanden, wurden der grosszügig dimensionierte Eingangsbereich und die Tageslicht-Inszenierung in der Treppenanlage als Themen des innenräumlichen Ausdrucks neu interpretiert. Das Schema des Auf risses und der innenräumlichen Komposition sollten aufgebrochen werden: frei wirkende Einzelteile wurden durch ein räumlich vielschichtiges Beziehungssystem zu einer Gesamifigur verknüpft, die den bestehenden Kontext bereichert und zum Abschluss bringt.
 

Raumkonzept und Wegführung
Der strukturelle Aufbau im Innern nimmt einerseits die Bedürfnisse moderner Labors nach Funktionalität, Flexibilität und Anpassbarkeit auf — eine schematische Addition mit Erschliessungskorridoren.

 

 

 

 

Die Rigidität der Laborbereiche findet in Wegführung, Zwischenräumen und allgemeinen Zonen andererseits ein räumlich ansprechendes, auf Louis Kahns Dialektik von "dienenden und bedienten Räumen" Bezug nehmendes Gegenstück, das auch anders materialisiert ist: "Der unumgänglichen Künstlichkeit der Laboreinrichtungen eine wahrnehmbare Stoff lichkeit gegenüberzusetzen: die Materialien sprechen aus, wie sie gemacht sind. "Diese "Gegenwelt" beginnt bereits beim Eintritt ins Gebäude — eine ereignisreiche urbane Inszenierung von Raum und Licht.  

Diese Gegenfigur in der räumlichen Wahrnehmung wird erzeugt durch eine Materialsensibilität, repräsentiert etwa durch Bodenbeläge und Fenster aus Eichenholz, Wandverkleidungen aus Ahorn, Granitboden in Korridoren und Treppen und insbesondere von taktilem Sichtbeton entlang des Weges durch das Gebäude, der das Rohe und die Lebendigkeit der Schalungsbretter bewusst und noch verstärkt durch die Lichtführung zum Ausdruck bringt. Der Zirkulationskörper ist ein vertikaler Raum, der in den ersten beiden Geschossen und im letzten Geschoss den Innen- mit dem Aussenraum verknüpft und eine Art verräumlichter Wirbelsäule des Gebäudes darstellt.  

Das erste Geschoss wurde im Entwurfskonzept in den Einschnitt des Eingangsbereiches einbezogen und als klassisches "Mezzanin" mit besonderer räumlicher Ausprägung gestaltet. Es enthält eine freie Terrasse, die den Blick über die Ikone der Moderne von Salvisberg schweifen lässt.  

Gestaltungsvielfalt in Beton
An diesem Gebäude zeigt sich eine seit Le Corbusiers Unité in Marseilles (d.h. seit einem halben Jahrhundert) weitgehend verloren gegangene und verurteilte Gestaltungskraft des Betons als Baustoff, der seine Machart, nämlich die Technik des Schalens und Giessens zeigen kann: das handwerkliche Hobeln der Bretter bzw. der negative Abdruck auf der Betonoberfläche zeigt die Präsenz der Bauarbeiter, in diesem Fall auch des Bauunternehmers mit dem Hintergrund eines Schreinermeisters, sowie die Formbarkeit des Betons selbst.
 

Literaturhinweise:
- Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern, Baubericht und Eröffnungsschrift, Bern Juli 2001.
- Andrea Roost, Räume — Espaces, mit einem Beitrag von Beat Allenspach (Ausst.kat. ETH Zürich), gta Verlag ETH Zürich 2001
Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Bilder: Heinrich Helfenstein, Zürich, ausser die letzte: Foto David Aebi, Bern
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil

 
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