| Kunstmuseum
Liechtenstein Vaduz |
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1999-2001
Bauherr: Stiftung zur Errichtung eines Kunstmuseums Vaduz
Architekten: Morger Degelo Kerez, Basel/Zürich, Nicole Woog (Projektleiterin),
Benjamin Theiler, Heike Buchmann, Dagmar Strasser, Raeto Studer
Totalunternehmer: Karl Steiner AG, Zürich
Statik: Frey + Schwartz, Zug; Wenaweser & Partner AG, Schaan
Haustechnik: Waldhauser Haustechnik, Münchenstein, Robert Gschwend
(Projektleiter)
Elektro: Risch AG, Triesen
Sicherheit: Hege AG, Zürich
Lichtplanung: Ove Arup & Partners, London; EAG, Basel
Bauphysik: Kopitsis Bauphysik, Wohlen
Akustik: Martin Lienhard, Langenbruck
Grafik: Robert & Durrer, Zürich |
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| High
Tech in Hochglanz |
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Raumhülle
und Raumfolge
Der scheinbare
Monolith im Zentrum von Vaduz und am Fusse des fürstlichen Schlosses
vermittelt durch seine Einschnitte den Blick in ein räumlich
reichhaltiges Innenleben. |
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| Der
Baukörper ist auf die Perimetergrenzen gesetzt. Der Haupteingang
liegt in der rückwärtigen Front. Ein eigentlicher Hauptplatz
wird durch ein Ensemble von Kunstmuseum und Stadthaus definiert, in
dessen UG sich auch das zuständige Parking befindet. Der hauptsächliche
Anmarschweg befindet sich wohl von dieser Seite, zu der sich das Museum
ebenfalls öffnet. |
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| Die Bezugsetzung
von Innen- und Aussenraum findet ihre Logik in einer Raumfolge des
Museums. Zwei Wege sind dabei möglich. In der Fortsetzung des
Eingangs führt zuerst ein breiter Treppenlauf ins OG in einen
ersten Ausstellungsraum. |
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| Nach einer
windmühlenförmigen Bewegung durch die vier Ausstellungsräume
erreicht man im Saal der fürstlichen Gemäldesammlung die
Pforte zur engen, ins EG hinabführenden Treppe. |
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| Dieser
Treppenschacht führt in einen, introvertierten Raum, der das
Raumgefühl hoher Konzentration vermittelt. |
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| Durch
drei Säle erreicht man wieder das Foyer. Geht man den umgekehrten
Weg, tritt man zuerst (rechts der Theke) in einen prominenten Seitenlichtraum,
der eine direkte Aussenbeziehung mit dem Rathausplatz besitzt. Er
wirkt wie ein Schaufenster zur Öffentlichkeit. |
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| Nach dem
Seitenlichtsaal folgen die Kunstlichtsäle mit speziellen Exponaten.
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| In dieser
Raumfolge gelangen wir zuletzt in eine Art Sackgasse, den bereits
erwähnten introvertierten Saal. Von hier aus wirkt der nach oben
führende Treppenschacht geradezu als Befreiung: man erreicht
auf diesem Weg direkt den Ausstellungsbezirk der fürstlichen
Sammlung. |
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| Der weitere
Weg durch die Oberlichtsäle führt am Ende durch die weite
Treppe hinunter und endet in der öffentlichen, den urbanen Aussenraum
einbeziehenden Zone des Foyers mit Bar, Restaurant und Buchhandlung.
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| Diese
Raumfolge, die auf einer "Promenade architectural" wirkungsvoll
inszeniert wird, spielt sich innerhalb eines wohlproportionierten
Quaders ab. Die helle Atmosphäre der meisten Räume und der
direkte Aussenbezug des Foyers sowie die lichtintensiven Oberlichtsäle
im OG stehen in krassem Gegensatz zur fast schwarzen Ummantelung des
Museumskörpers. Der Baukörper soll in seiner konstruktiven
Struktur nicht ein Abbild der inneren Raumfigur sein, sondern im urbanen
Gewebe als glanzvoller und reflektierender Monolith wirken. |
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| Die Gestaltung
der Einschnitte im Foyer- und Eingangsbereich, im Seitenlichtsaal
und in der Bürozone verdeutlichen die murale Kontinuität
im Fassadenbild. |
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| Gestalten
mit Beton |
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| Die 40
cm dicke Betonwand scheint über der Südostecke beim Foyer
wie auch über den Büroräumen, die sich im Basement
an der Nordwestecke befinden, zu schweben. Sie liegt jeweils auf einer
Anzahl relativ dicht gesetzter Vollstahlstützen von nur 10 x
10 cm Querschnitt. Diese sind mit je zwei pulverbeschichteten Metallzargen
verkleidet, die mit einer konstruktiven Tiefe von knapp 25 cm und
einer Gesamtbreite von etwas mehr als 20 cm das reine statische Mass
der Tragstützen mehr als verdoppeln. |
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| Diese
U-förmig zusammengefügten Zargen (inklusive Fuss- und Sturzzarge)
dienen zum Einen der Befestigung der Strukturverglasung, zum Andern
ergeben sie ein auch optisch erweitertes Mass. Denn die schlanken
Tragstützen mit einer Höhe von ca. 3.80 m und einem Achsabstand
von 2.50 m würden den Blick irritieren: das Verkleidungsmass
bzw. die scheinbare Überproportionierung des tragenden Elements
führt so zu einer wahrnehmbaren Balance des Betonkörpers.
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Einzig
an der Ecke wird die Stütze samt der Verkleidung weggelassen;
lediglich die silikonverklebten Glaspakete werden als Schichten
sichtbar aneinandergefügt
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| Der Wunsch
nach der stützenfreien Ecke wurde seitens der Architekten sehr
früh im Planungsprozess geäussert, bedeutete aber für
den Statiker die günstigere Lösung. Schwieriger war die
Forderung nach einer fugenlosen Betonummantelung des ganzen Museums
in den Ausmassen von 60 m Länge, 24 m Breite und 15 m Höhe
zu bewältigen. Die Entwicklung einer geeigneten Rezeptur des
Betons war eine der anspruchsvollsten Aufgaben dieses Baus und erforderte
mehrere Experimente und Tests sowie einen 1.5 Mio Franken teuren 1:1-Musterbau.
Ein kleines Betonwerk musste vor Ort gebaut werden. |
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| Das entscheidende
Problem bestand in der Verhinderung einer Entmischung der Bestandteile
unter wechselnden, teilweise extremen Umweltverhältnissen. Die
Wahl fiel auf eine unregelmässige Mixtur aus schwarzen und dunkelgrünen
Basaltsteinen, farbigem Untervazer Flusskies und mit Flugasche dunkel
eingefärbtem Zement, die anschliessend aufwendig geschliffen,
poliert und imprägniert wurde. Dabei mussten nicht nur die materialtechnologischen
Anforderungen erfüllt, sondern auch das Erscheinungsbild gestaltet
werden. Das Ringen der Architekten um den Finish der Betonoberfläche
und des Bauingenieurs um die fugenlose und allen Witterungseinflüssen
standhaltende Betonwand bedingte ein interaktives Arbeiten und Gestalten. |
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| Die monochrome
Präsenz der Fassade von Weitem entspricht dem distanzierten Blick
aufs fürstliche Schloss die polychrome Nahwirkung hingegen
aktiviert die Sinne und bereitet auf die Aufgabe des Museums vor. |
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| Lichtdecke |
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| Die Lichtdecke,
von Innen betrachtet, wirkt sowohl mit Tages- wie Kunstlicht als gleichmässige,
lichtreflektierende weisse Schicht, einzig unterbrochen und gegliedert
durch dünne linienförmige Halterungen der Unterkonstruktion.
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| Diese
Lichtdecke ist mehrschichtig und wurde mit Ove Arup & Partners
London entwickelt. Dabei konnte von den Erfahrungen im Beyeler Museum
Riehen/Basel profitiert werden, was zu einem begehbaren Zwischenraum
führte. Dieser wirkt als "Klimapufferzone", die fallweise
beheizt und entlüftet werden muss. Zusätzlich liegen auch
die Beleuchtungskörper und die Dachentwässerungsrinnen in
diesem Zwischenraum, also mehrere "Störer", die die
Lichtqualität beeinträchtigen. Der gegenüber dem Beyeler
Museum höher dimensionierte Hohlraum dienet der besseren Lichtmischung,
die in mehreren Tests durch Ove Arup Ingenieure ermittelt wurde. Der
Tageslichteinfall wird permanent gemessen, damit der Kunstlichtbedarf
optimiert werden kann; die dadurch erreichte Einsparung an Beleuchtungsenergie
beträgt, verglichen mit üblichen Standards, 75%! |
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| Die Museumsanlage
ist das Resultat eines intensiven multidisziplinären Entwurfsprozesses
unter verschiedenen Akteuren: Architekten, Bauingenieuren, Haustechnikingenieuren,
Lichtplaner und nicht zuletzt Fassadenplaner: denn schliesslich
ist die äusserste Schicht der Lichtdecke eine "fünfte
Fassade". |
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Literatur
J. Christoph Bürkle (Hg.), Morger & Degelo Architekten, mit
Textbeiträgen von Hubertus Adam, J. Christoph Bürkle, Philipp
Esch, Matthias Ackermann, Ruth Hanisch, Verlag Niggli, CH-8583 Sulgen/TG
2000.
Stiftung zur Errichtung eines Kunstmuseums Vaduz/Liechtenstein (Hg.),
Kunstmuseum Liechtenstein. Morger Degelo Kerez Architekten, Verlag
Lars Müller, CH-5401 Baden/AG 2000.
U. Pfammatter, High Tech in Hochglanz. Zum neuen Kunstmuseum Liechtenstein
in Vaduz, in Zeitschrift tec21 Nr. 10/2001.
Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil |
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