BETONSUISSE Architekturgalerie
 
       

 

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Hafengebäude Rohner Fussach / A
1999-2000
Bauherr: Maria Rohner
Architekten: Baumschlager & Eberle Vaduz
Projektleitung: Rainer Huchler
Mitarbeiter: D.I. Marika Marte
Statik: D.I. Ernst Mader Bregenz
Fliegende Raumkapsel
Herstellung eines "Ortes"    
Die schwebende Figur des Hafengebäudes Rohner ist auffällig platziert am Eingang eines zentralen Teils des Hafens Fussach an der Südostecke des Bodensees und fluchtet sich ein in die Hauptrichtung der Verkehrszone. Lage, Form und "Figura" dieses freikragenden Körpers markieren an dieser räumlich nicht definierten Stelle eine materielle Präsenz und bilden ein neues Ortsmerkmal.    

Der schwebende Charakter des Hafengebäudes ist durch die Gerichtetheit des oberen Körpers einerseits raumwirksam, beeinträchtigt andererseits durch seinen schmalen "Fuss" nicht den Raumfluss der weiten Hafenlandschaft.  
Mit dieser Figurbildung gelingt es, im "Mikrobereich" des Gebäudes eine verdichtete Raumzone unter dem auskragenden Gebäudeteil und damit eine dramatische Eingangssituation zu inszenieren, markiert durch die Öffnung zur tunnelartigen Treppe, die expressiv nach oben führt.  

Erlebnisweg und Raumschichtung    
Der Austritt im OG hat die Gestalt einer weit geöffneten Loggia mit einem südwärts gerichteten Ausblick auf das weiträumige Hinterland des Hafengeländes.  
Die Treppenzone an der Ostfassade korrespondiert mit der schmalen, erschliessenden Raumschicht an der Westfassade des OG; dazwischen liegt der installierte Kern mit Nasszellen und Nebenräumen auf engstem Raum (dieselbe Raumnutzung wiederholt sich im Sockelkörper des Gebäudes). Es schliesst eine querliegende, mit intensiv wirkendem Oberlicht versehene Raumschicht an, die den Blick freispielt ins Innere des Arbeitsraumes des Hafenmeisters und eine Art internes Atrium zwischen Haupt- und Nebennutzung bildet.  
Dieses Herzstück des Lebensraumes ist als Raum-im-Raum gestaltet, als eine in den Betonbehälter hineingeschobene Raumkapsel.  



Durch die andersgeartete Materialisierung (Holz im Gegensatz zu Beton) wird diese strukturelle und tektonische Schichtung visualisiert, als Schwelle erlebbar gemacht und verstärkt noch durch die schwarze Abdeckung der dazwischenliegenden Dämmebene.  
Die räumliche Qualität des Arbeitsraumes ist durch seine eindeutige Richtung geprägt und ausserdem betont durch ein schmales, auf Arbeitshöhe angeordnetes Lichtband auf der ganzen Länge der Westfassade – eine Inszenierung des Nachmittags- und Abendlichtes.  
Betonskulptur    
Die Verankerung des freikragenden Baukörpers erfolgt nur über den durchgehenden Kern in eine Fussplatte im Sockelbereich. Die seitlich an der Ostfassade hinunterführende, die Treppe begrenzende Wandscheibe verläuft in einen Spitz und hat keinen Bodenkontakt: sie gehört typologisch und funktionell zum schwebenden Teil.  

Der bis an die statische Grenze geführte, reduzierte Bodenkontakt des Raumbehälters nützt die modernen Möglichkeiten der Betontechnologie und der Vorspanntechnik für maximale Auskragungen und millimetergenaue starre Konstruktion aus; die präzise Setzung von harter schön gearbeiteter Betonumhüllung (die Betonschalung ist Zimmermannsarbeit) und weicher (Holz) und empfindlicher (Glas) Intarsie wäre ohne diese technische und konstruktive Ingenieurbaukunst und ohne die wertbewusste vorarlbergische Holzbaukultur nicht möglich.  
Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil
 
      1999-2007© BETONSUISSE