| Neubau
Pharmazentrum Uni Basel |
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1996-2000
Bauherr: Baudepartement Basel-Stadt
Architekten: Andrea Roost Architekt BSA/SIA/SWB, Bern
Bauingenieur: Cyrill Burger + Partner AG, Basel
Künstlerische Gestaltung: Karl Gerstner |
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| Offene
Raumfigur |
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Standort
und Situationsentscheid
Der bestehende
Laborbau des Biozentrums an der Klingelbergstrasse verkörpert
einen etwas veraltet wirkenden Strukturalismus, prägt aber den
städtebaulichen Kontext. Das angefügte Neubauvolumen des
Pharmazentrums mit der vorgestellten Betongitterstruktur erneuert
das Bild und verleiht dem zu einem Gesamtkomplex gewordenen Ganzen
neue räumliche und materielle Qualitäten. Im Gegensatz zum
nebenstehenden älteren Laborbau mit seinen distanzierenden Fassadenschildern,
öffnet sich der Neubau gegen Aussen und fördert Einblicke
in sein inneres Geschehen. Doch volumetrisch erscheinen beide als
bauliche Einheit. |
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Bauaufgabe
Das neue Institutsgebäude sollte zur Lösung akuter Raum-
und Standortprobleme der Universität Basel beitragen. Für
den geforderten Schwerpunkt der Phil.II-Fakultät der Uni Basel
war deshalb der Standort zwischen Biozentrum und alter Frauenklinik
geeignet. Normal-, Praktika- und Speziallaborräume sowie Büros,
Sitzungszimmer, einen Hörsaal, Schulungsräume und zentrale
Infrastruktureinrichtungen bilden das Raumprogramm des neuen Institutsgebäudes
für Lehre und Forschung. |
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Raumkonzept
und Wegführung
Das hybride Raumprogramm musste sich einerseits nach dem rigiden Takt
der standardisierten Labors richten, andererseits schuf der Architekt
Andrea Roost eine offene Raumfigur im Erdgeschoss und Mezzanin, die
einen räumlich reichhaltigen Kommunikationsort der verschiedenen
Nutzer – auch mit der Öffentlichkeit und mit Besuchern
– anbietet. Dieser Raum wirkt wie ein städtischer Platz.
Verschiedene Elemente wie Treppenskulpturen, Galerien, Empfangsraum,
Nebenräume, Liftschächte usw. sind Figuren im Raum –
eine in Beton materialisierte Figur-/Grundoperation mit Körpern,
Scheiben und Stützen. Diese Eingangshalle ist durch ihre räumlich-offene
Struktur zugleich Begegnungs- und Orientierungsort und besitzt urbane
Qualitäten – Raumbilder Louis Kahns scheinen auf. |
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| Der natürliche
Lichteinfall in die Halle konzentriert sich auf den mit Überhöhe
konzipierten Eingansbereich, der wie ein Stadttor wirkt und den Blick
nach Aussen erweitert, sowie auf die Galerie mit Cafeteria; diese
besitzt eine Aussenterrasse und ist auf der ganzen Länge geöffnet,
so dass von dieser Seite her das natürliche Licht auf die Hallendecke
und zu gewissen Tageszeiten auf die Betonfiguren projiziert wird. |
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| Dieses
Raum- und Licht-Spiel, welches sich auf dem ganzen Weg durch die Halle
fortsetzt, bedeutet für Andrea Roost eine Referenz auf die Thematik
der „Rue galérie“ oder der „Promenade architecturale“
im Werk Le Corbusiers. |
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| Bewegt
man sich im Mezzanin oder Galeriegeschoss, werden ständig neue
Durch- und Einblicke freigelegt – „man sieht nie altes:
wie bei den following spaces der chinesischen Gärten.“
(A. Roost) Auch die Farbtöne der rohen Betonoberflächen
wechseln je nach Standort, Lichtreflexion und Blickwinkel. |
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| Der räumliche
Erlebnisweg setzt sich nun in der Fuge zwischen dem alten Laborbau
und dem angefügten Neubau fort. Drei übereinandergestaffelte
doppelstöckige Treppen- und Galerieräume mit Aufenthaltszonen
und einem Kunstwerk von Karl Gerstner bilden den Übergang zwischen
Alt- und Neubau, stellen einen intensiven Aussenbezug her und gewährleisten
die funktionelle Verbindung zum Biozentrum. Diese verräumlichte
Fuge ermöglicht eine Verknüpfung des gesamten Erlebnisweges
mit dem rückwärtig angeordneten dreistöckigen Bürotrakt,
der vom Hauptkörper durch einen schmalen, grünen, ruhigen
Hinterhof getrennt ist. Die „Rue intérieur“ setzt
sich längs dieses Hofes fort. |
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| Der Fuge
gegenüber bildet ein ebenfalls niedriger Bautrakt mit Sondernutzungen
einen Winkel zum Bürovolumen. Er enthält Sitzungszimmer
und einen grossen Hörsaal, der durch seine Lage direkt mit der
grossen Eingangshalle verbunden ist. Dank modernster audiovisueller
Ausrüstung kann von hier aus eine interaktive Fernübertragung
im Rahmen der medial vernetzten universitären Institute ermöglicht
werden. Der Hörsaal ist mit Buchenholzelementen edel ausgestattet
und bildet so einen Gegensatz zum rohen Beton, der die Materialisierung
des öffentlichen „Stadtraums“ prägt. |
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Laborwelten
Das funktionelle und volumenbildende Kernstück bilden nun freilich
die sechs identischen Laborgeschosse. Das Ausbau- und Infrastrukturkonzept
der Labors berücksichtigt die Bedingungen der Funktionalität,
Flexibilität und Anpassbarkeit durch eine dreistufige Raumausrüstung:
standardisierte Grundausrüstung (festgelegte Raumtypologie und
äussere Erschliessung und Versorgung), anpassbare Erstausrüstung
(nach Nutzerbedürfnissen) und Nachrüstung.
Der konstruktive Stützenraster des Betonskeletts im Laborbereich
ist nicht identisch mit den Zwischenwänden, er bleibt sichtbar.
Er ist auch nicht identisch mit dem an der Südwest- und Südostfassade
vorgestellten Beton-“Grid“: „Die unterschiedlichen
geometrischen Rasterweiten ... bewirken durch gegenseitige Verschiebung
eine zusätzliche räumliche Tiefe und lassen aus jedem Blickwinkel
ein lebendiges Spiel mit Wechselwirkungen entstehen.“ (A. Roost)
In der durch diese architektonische Haltung vermittelten Raumwahrnehmung
stellt Andrea Rosst einen Bezug zu Edward Hopper her: die Gewöhnlichkeit
der Erstwahrnehmung wird überlagert durch eine aussergewöhnliche
Qualität im zweiten Blick – besonders auffällig im
Ecklabor. |
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Gestaltungsvielfalt
in Beton
Nebst dem Einsatz des rohen Betons als vorherrschendes Material der
Eingangshalle und der Wände entlang der Erlebniswege, wurde vor
die Südwest- und Südostfassade ein das gesamte Volumen umfassendes
Betongitter als Gestaltungselement gestellt. Dieses verbindet die
unterschiedlichen Baukörper, vermittelt den Zweck des Gebäudes,
nämlich die Typologie standardisierter Labors, verräumlicht
die Gebäudehülle und ermöglicht so ein Licht- und Schattenspiel
sowohl am Tag wie in der Nachtsituation. Aus der Gitterstruktur und
deren Überhöhung im Sockelbereich ergibt sich beim Eingang
eine räumlich-plastische Dramaturgie, die auch weitere Bauten
von Andrea Roost charakterisiert. Die ganze Anlage ist eine begehbare
Raumplastik in Beton. |
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Literatur
Baudepartement
des Kantons Basel-Stadt, Baubericht und Eröffnungsschrift,
Basel Oktober 2000.
Andrea
Roost, Räume – Espaces, mit einem Beitrag von Beat Allenspach,
(Ausst.kat. ETH Zürich), gta Verlag ETH Zürich 2001.
Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil |
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