| Wohnhaus
am Zürichberg |
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Bauherrschaft:
Frau G. Kerez, Zürich
Architekt: Christian Kerez, dipl. Arch. ETH/SIA, Zürich;
Mitarbeit: Andreas Meiler
Ingenieure: Erni & Erni, Zürich; Josef Schwartz, Baar und Luzern
Kostenplanung, Bauleitung: Archobau AG, Chur
Projekt und Ausführung: 1998-2002 |
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| Gestaltungsmöglichkeiten
mit Betonvorspannung |
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| Standort |
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| Der Standort
des Mehrfamilienhauses an der Forsterstrasse ist von unterschiedlichen
Geometrien geprägt. Die Grenze zum Nachbargrundstück
West, die aber nicht spürbar ist, bildet eine Bezugslinie.
Die baugesetzlichen Vorgaben führten dazu, dass das eigenwillige
und neuartige Gebäude eine autonome Position im Gelände
einnimmt. Der dichte Baumbestand verbindet das Haus mit seiner
Umgebung.
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| Die Eigenständigkeit des Gebäudes wird noch betont durch die Versenkung
des gesamten Zugangsgeschosses unter den Boden, das gewissermassen eine „Wanne“ bildet,
in welches der Bau hineingestellt wird.
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| Die Zugänge
zur Parkierungsebene (2. UG) und zur Eingangshalle der Wohnungen
(1. UG) erfolgen tunnelartig. Die UN-Garage liegt auf dem Strassenniveau. |
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| Bauaufgabe |
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| Sowohl die Mehrdeutigkeit des Ortes und die Schwierigkeit
des Grundstücks
als auch die angestrebte Individualität der Wohnungen bildete
Ausgangspunkt für einen empirischen Annäherungsprozess
an eine Lösung. „Die Lösung liegt schon in der Aufgabe“,
betont der Architekt. „Der Hauptteil der Entwurfsarbeit bestand
darin, die in unserem Falle sehr streng ausgelegten, willkürlichen
Vorgaben des Baugesetzes in eine architektonisch verständliche
und logische Gesamterscheinung zu überführen. Durch die
strukturelle Auflösung des Gebäudevolumens wirken die geforderten
Kragplatten der Balkone nicht mehr angesetzt, sondern als Erweiterung
der Wohngeschossplatten. Ebenso verbindet sich das Attikageschoss
mit dem zweigeschossigen Unterbau durch die versetzten, auskragenden
Wandscheiben.“ Es galt also, eine Antwort zu suchen, die mehrere
Fragen gleichzeitig beantwortet. Dasselbe Denken bestimmte die Arbeit
des Ingenieurs, der früh im Entwurfsprozess einbezogen wurde.
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| Tektonische Raumfigur |
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Jede Etage ist unterschiedlich gestaltet und bezweckt
individuelle Raumdispositionen und Grundrisstypen. Das Gebäude wurde von
Innen heraus entwickelt und mit Hilfe von Studienmodellen unterschiedlicher
Massstabsbereiche und Materialität überprüft. Die
in die Aussenräume weisenden Wandscheiben und weitauskragenden
Boden- und Deckenplatten dehnen die einzelne Wohnung im Innern
aus und verbinden sie mit der Umwelt.
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Die Wandscheiben definieren je Stockwerk unterschiedliche
Räume
und Raumzusammenhänge und lassen raumhohe Öffnungen entstehen.
Gewisse Räume sind mit ebenfalls raumhohen Schiebetüren
abschliessbar. Einzelne Raumtrennungen sind durch Einbauschränke
definiert.
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Diese Grundrissdisposition folgt der Absicht, einen
kontinuierlichen Raum zu
erzeugen mit immer neuen und vielfältigen Bezügen im Innern sowie mit
wechselnde Perspektiven nach Aussen.
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Aufgehängte und punktförmig übereinander gelagerte
Scheiben, auskragende
Decken, auch übers Eck, bilden als Ganzes eine plastische Raumfigur mit
spannungsreichen Durchblicken und Aussichten. Die ringsum laufende Verglasung
der Gebäudehülle bildet diese Komposition ab und verdeutlicht das tektonische
Bild. Sie ist Klimagrenze. Der Sonnen- und Sichtschutz erfolgt mit raumhohen
und üppigen Stoffvorhängen.
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| Das in diesem Bau neuartig wirkende Raumgefühl wird erzeugt
durch die Wahrnehmung direkter Relationen zwischen dem Raum und seinem
konstruktiven Abbild: dem sichtbaren Beton-Rohbau. Man bewegt sich
permanent in einem konstruktiven Raumgefüge, das sowohl eindeutige
räumliche Qualitäten wie zwingende statische
Logik repräsentiert. Der konstruktive Beton ist ständig präsent
und bildet das, was er leistet 1: 1 ab. So wird das Verborgene (die Vorspanntechnik)
sichtbar gemacht auf einer anderen Bedeutungsebene und visualisiert die Präsenz
der gemeinsamen Entwurfsleistung von Architekt und Ingenieur. |
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| Betonvorspannungstechnik als Gestaltungsmittel |
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| Das gestalterische Potenzial des Vorspannbetons – womit sich
der französische Betonpionier Eugène Freyssinet in den
1920er Jahren mit systematischen Studien und Versuchen erstmals beschäftigte
und damit in bautechnisches und konstruktives Neuland vorstiess – wurden
an diesem Fallbeispiel weiter erforscht und konstruktiv-technische
und materialtechnologische Möglichkeiten und Grenzbereiche ausgelotet.
Die scheinbare Unabhängigkeit und stockwerksweise Unterschiedlichkeit
der Scheibenkomposition irritiert, hängt doch jedes Element
mit dem nächsten zusammen: alle raumdefinierenden und konstruktiven
Komponenten der Baustruktur wirken statisch im Gesamtsystem unabdingbar
mit – nichts ist überflüssig, nichts muss zugefügt
werden, der Rohbau ist konstruiertes Abbild der Raumfigur. |
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Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil |
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