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Einfamilienhaus im Seetal (Beinwil/AG)
Architekten:   Meletta Strebel Zangger Architekten Luzern Zürich
Bauingenieure:   Kurt Weber AG, 5502 Hunzenschwil
Betonarbeiten:   Restrukta Bau, 5734 Reinach
Bauzeit:   2001-2002
Hofhaus in Beton

Ort, Situation
Die ortsspezifische Bedingung einer von West nach Ost hinunterführenden Hanglage und einer attraktiven See- und Weitsicht gegen Osten führte zu einer Querlage der Gebäudeanlage: zwei separate über einem gemeinsamen Untergeschoss angeordnete U-förmige Hausteile öffnen sich gegen einen Hof, der die weiträumigen West-/Ostbeziehung herstellt. Mit dieser speziellen Problemlage einer „verkehrten“ Situation hatte sich bereits Alfred Roth in einem Artikel „Bauen am Zürichsee“ (gemeint war die Siedlung Neubühl am linken Zürichseeufer) in der Zeitschrift „ABC“ (Nr. 5/1925, S. 1) befasst.

   



Während das Wohnhaus gegen Süden gerichtet ist, weist das Atelierhaus für die Malerin und den Maler die bevorzugte Nordlage auf. Der gemeinsame Hof bildet damit eine Terrasse in der Falllinie des Abhangs und gleichzeitig in der Querrichtung „Zwischenstück“ eines grossen zusammenhängenden Raumkontinuums vom Atelier bis zur Wohnung.

   

Zwei unterschiedliche Umgebungsmerkmale prägen zudem den Ort baulich: west- und hangaufwärts liegt ein volumetrisch auffälliges und differenziert abgestuftes Fabrikationsgebäude, zu dem der hohe Atelierkörper Beziehung aufnimmt, während der niedrige Wohntrakt auf der anderen Seite ans Einfamilienhausviertel anbindet.

 

Der Aussenraum des Innenraums ...
Durch die vollständige Öffnung der beiden Gebäude zueinander entsteht über den Hof der grösstmögliche Raumzusammenhang auf dem Grundstück. Die Prpoprtionierung des Hofes ermöglicht die Inszenierung einer diagonalen Sichtrichtung aus dem Wohn-, Ess- und Kochbereich ins Seetal gegen Südosten.

   

Gleichzeitig erweitert sich der Hofraum gegen Osten zu einem leicht tieferliegenden Werkhof, der über breite Raumschichten die Erschliessung und Belichtung einerseits die Werkstatt, andererseits eine Einliegerwohnung erlaubt.

   
Auf der Westseite führt ebenfalls eine Abtreppung zu einem leicht erhöhten Wohn- oder Gartenhof. (Grundriss Erdgeschoss) Diese der Topographie folgende mehrfache Terrassierung des Landschaftsraums überlagert sich räumlich-optisch mit dem quergestellten Grossraum zu einer vielschichtigen, erlebnisreichen Raumlandschaft.  

Raumdisposition
Das Wohnhaus ist zweischichtig: gegen Hof und weiträumige Aussicht orientiert sich der weiter nicht unterteilte Wohn-, Ess- und Kochbereich, im rückwärtigen Teil liegen zweibündig die Schlafräume gegen Ost und West mit grösseren Fensteröffnungen und den Nebenräumen im Kern mit Oberlicht sowie Treppe ins Untergeschoss. Das Atelier ist überhoch, wird dank einem Oberlicht im rückwärtigen Bereich aus der Nordrichtung belichtet und weist eine direkte Verbindung zur Werkstatt im UG sowie eine Anlieferungssituation mit grossem Tor und Hebebühne auf.
 


Baustoff Beton und die Konstruktion des Raumes
Nach Aussen erscheint der ausserordentlich schön gearbeitete Sichtbeton als homogene und kohärente Umhüllung einer reichhaltigen Räumlichkeit: Zusammenspiel einer zugleich flächigen wie plastischen Klarheit, die Seitenflächen formen den Raumkörper im Sonnenlicht plastisch ab. Die Silhouette der umhüllenden volumetrischen Gesamtfigur ist scharfkantig und klar, die wenigen Öffnungen sind präzis und funktionell gesetzt.
 


Die innere Hülle des Betonkörpers besteht aus einer auf der Wärmedämmung aufgebrachten verputzten Albathermverbundplatte. Auch die Innenräume erscheinen dadurch homogen und ruhig. Die weiträumigen Öffnungen in den räumlich durchgängigen Fronten sind mit Weissglas-Schiebefenstern versehen, die übrigen Fenster weisen Grünglas auf. An der Übergangsstelle werden die drei Schichten – Rohbau-Beton, mit einem Stahlprofil abgedeckte Dämmschicht mit Fensterrahmen bzw. vorgestellte Innenwand – sichtbar gemacht, ähnlich einer „konstruktiven Lektion“, mit der bereits Mies van der Rohe die Gestaltungskraft des konstruktiven Details hervorhob.  


Quellen
Bilder, Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil
 
     

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