| Einfamilienhaus
Adligenswil LU |
 |
| Architekten: |
|
Luca
Deon, dipl. Arch. ETH, Luzern |
| Bauingenieure: |
|
Franz
Käch, dipl. Ing. ETH, Reussbühl |
| Structural
Glazing: |
|
Josef Meyer Stahl- und Metallbau, Emmen |
| Innenausbau: |
|
Lüscher
u. Studhalter, Schreinerei, Innenausbau, Littau |
| Betonarbeiten: |
|
Restrukta Bau, Root |
| Ausführung: |
|
Aregger, Buttisholz |
| Bauzeit: |
|
1999-2000 |
 |
 |
 |
|
| Betonhülle
und „Futteral“ in Holz |
|
Ort, Situation, Weg
Das Einfamilienhaus steht an einem Abhang in Sonnen- und prächtiger
Aussichtslage. Wie an vielen vergleichbaren Orten üblich, weist
das umgebende Einfamilienhausquartier eine disperse Überbauung
unterschiedlichster Stilrichtungen und Bautypologien auf. Das Objekt
setzt dazu einen klar identifizierbaren Kontrapunkt.
|
|



|
 |
Sichtbar ist
ein einfacher, wohl proportionierter Kubus auf erhöhter Plattform, in einheitlichem Material Sichtbeton gestaltet
und mit grossen Öffnungen versehen, die die Funktionen abbilden:
das Erdgeschoss dient Wohnen, Essen, Besuchern und Aufenthalt,
das Obergeschoss ist Schlaftrakt. Unter der weiten Terrasse liegen
Garage und Wellnessbereich, seitlich, westlich führt der abgewinkelte
Zugang zum Entrée.
|
|


 |
 |
Der Zutritt erfolgt vorerst auf einem Split level,
ein halbes Geschoss unterhalb der EG-Kote: eine offene, aber
innerhalb des
Volumens ansetzende „getreppte Schwelle“ lässt
den Übergang von Aussen ins Innere des Baukörpers zu
einem verlangsamten Erlebnis werden. Zugleich ist ein Kontrollblick
aus der Küche möglich. Im Entrée wird der direkte
Blick geradeaus nach Norden durch die einzige und grossflächige Öffnung
in der Nordfassade in den üppig begrünten Hinterhof gelenkt.
|
|


 |
 |
Räumlichkeit und Materialsensibilität
Diese „promenade architecturelle“ inszeniert nun das „Wesen“ des
Hauses: weicher Kern und harte Hülle. Der Sichtbeton, die tragende
Struktur, lenkt als weg- und einführende Wand zum Wohnungseingang,
während Boden und Decke, mit edlem Holz bearbeitet, bereits
die Wohn- und Gastlichlichkeit ankündigen, wie sie im Wohnbereich
anzutreffen ist.
|
|
 |
 |
Während der leicht tiefer gesetzte Koch- und Essbereich
dem Alltag und einer schnelleren Geschäftigkeit zuzuordnen
sind und deshalb robustere Materialien benötigen (Sichtbetondecke,
Bodenbelag mit Walser Quarzit), repräsentiert der Wohn- und
Schlafbereich durchgängig eine ruhige Atmosphäre, die
mit der Wärme und lebendigen Struktur des Teakholzes unterstützt
wird.
|
|
 |
 |
Raumgefüge
Das gesamte Erdgeschoss ist räumlich transparent gestaltet:
raumhohe Öffnungen und Durchblicke verbinden die verschiedenen
inneren Funktionen, und die Aussenbeziehung wird mittels grossflächiger
Glasschiebetüren hergestellt. Im Koch- und Essbereich ist der
Aussenraum der Terrasse „eingezogen“, so dass eine gedeckte
loggia-ähnliche Raumschicht entsteht. Die rückwärtige
Korridorzone findet erneut einen überraschenden Ausblick in
den begrünten Hinterhof durch eine ebenso grosse Öffnung
in der Ostfassade wie sie dem Besucher bereits beim Entrée
begegnet ist. |
|





|
 |
| Gleichzeitig liegt an dieser Ecke ein kleines „Atrium“,
das den Blick und die optisch-akustische Raumbeziehung ins Schlafgeschoss
ermöglicht. Die Korridorzone ist dreischichtig: die mittlere
Schicht dient der Zirkulation vom Entrée bis zu den Stufen
zum Wohnbereich, wo auch eine Umlenkung zur Treppe ins OG stattfindet;
in der Treppenschicht sind Nebenräume wie Gäste-WC untergebracht,
und die Übergangsschicht zu Küche und Essraum ist abgestuft
bzw. möbliert. |
|
 |
 |
| Das Obergeschoss prägt ebenfalls eine Raumschichtung in Korridor,
Trennwand als Möbel, Schlafräume und Loggia auf der ganzen
Länge, die gegen Ost und West mit Öffnungsschlitzen markiert
ist. Während der Korridorquerschnitt gegen Westen in einer grossen Öffnung
abgebildet wird, ist er am anderen Ende durch die erwähnte Bodenöffnung
atriumsähnlich mit dem EG verbunden, weist also eine indirekte
Aussenbeziehung auf. Ein zusätzliches Oberlicht lenkt Zenitlicht
durchs Atrium in den Wohnbereich hinunter. |
|





|
 |
| Die Loggia vor den Schlafräumen verdeutlicht nun erneut das
Wechselspiel zwischen der tragenden Betonhülle (perforiert als „Brise
soleil“) und dem inneren Kern aus Holz: Nahtstelle des Materialwechsels. |
|

|
|
Konstruktive Typologie
Die Betonkonstruktion, der Rohbau, ist eine selbsttragende Fassade,
die im Innern ein Holzhaus umhüllt. Die Holzkonstruktion wirkt
als „Haus im Haus“, gewissermassen als Antithese. Da
sich beide Systeme ergänzen, ist die „Figura“ eine
komplementäre Symbiose aus unterschiedlicher Funktion, Materialität
und Bedeutung. |
|

|
|
| Die Betonschalung besteht aus grossformatigen Finnenplatten
mit der durchgängigen Dimension von 1 x 3 m. Alle Fugen und Stösse
wurden mit Silikon versiegelt, um die Wirkung eines scharfkantigen,
präzisen Baukörpers zu erreichen. Der Ingenieur wollte
mit einer einzigen Dillatationsfuge auskommen: diese liegt wie bei
einem Kleid „hinten“ und zieht die „Maske“ des
horizontal liegenden Fugenbildes über das „Gesicht“ des
Hauses nach hinten (L.D.). Das Fugenbild und die Bindstellen zeichnen
ein regelmässiges Raster und nehmen Bezug auf die Öffnungen.
Beide Raster werden schliesslich in der Nordfassade verschmolzen. |
|

|
|
| Die Betonoberfläche ist hydrophobiert und mit
einer leicht blau pigmentierten Betonlasur behandelt. Kleine durchsichtige
Kunststoffpartikel
in der Lasur brechen das Licht in Spektralfarben und verfremden den
Betoncharakter mit einem Perlmutterglanz, je nach den Launen der
Sonne. (L.D.) |
|
|
 |
Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas + VR Modell: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil |
 |
 |
 |