BETONSUISSE Architekturgalerie
 
       

 

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AAL Luzern (Altbauten)
Betonpioniere
A1-Tankstelle Deitingen/SO
Bally Tageslichtfabrik
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Produktions- und Geschäftshaus Meister Wollerau / SZ
Bauherrschaft:   Schmuckmanufaktur Meister + Co. Wollerau / SZ
Architekten:   Josef und Martin Blättler Architekten, dipl. Architekten ETH/HTL, Zürich, André Frei, Forch
Bauingenieure:   Jäger und Partner, Adliswil
Fenster- u. Fassadenbau:   Soder Metallbau-Technik, Zürich, Pro Optima, Elgg
Haustechnik:   NEK Umwelttechnik, Zürich
Bauzeit:   1993-95
Von der Tageslichtfabrik zur Schmuckmanufaktur

Situation
Die Schmuckmanufaktur Meister ist wohl eines der markantesten Gebäude in Wollerau: es liegt an einer Haarnadelkurve auf der Bergstrecke nach Schindellegi und zeigt seinen „Rumpf“ wie ein Dampfer.

   

Die neu zu projektierende Linienführung der Kantonsstrasse konnte mit dem gleichzeitig geplanten Gebäude geometrisch in Übereinstimmung gebracht werden – ein Passstück. Der Dynamik des Ortes entsprechend wurde die Öffnungstypologie gewählt.

   

Funktionen und räumliche Qualitäten
Die Gebäudeanlage besteht aus zwei durch eine Passage verbundene Betriebsteile; in der volumetrischen „Kerbe“ oder Fuge liegt der Eingang an einem grosszügigen Vorplatz.

Während das Kopfgebäude die Funktion von Erholung, Aufenthalt, Cafeteria und Kommunikation übernimmt, ist der Hauptrumpf der Anlage für die Arbeitswelt des Design und der Manufaktur bestimmt.

 

Die am Hof anliegende Glaspassage verbindet bergseitig die Betriebsteile miteinander und ist als Lichthof ausgebildet.

Er enthält nicht nur alle notwendigen funktionellen Verbindungen und Zirkulationselemente wie Treppen und Lift, sondern dient auch dem Aufenthalt, der Kommunikation, von Ausstellungen und Apéros etc.

   

Gleichzeitig vermittelt diese 90 m lange Passage zwischen den beiden extrem unterschiedlichen Niveaus der angrenzenden Strasse und bewirkt eine intensive Lichtkaskade für die bergseitigen Raum- bzw. Arbeitsschichten.

Der Eingangshof ist auch ein vielfältig nutzbares Zentrum der Gesamtanlage und wird für verschiedene Veranstaltungen benützt. In den Kiesbelag wurden als Wegführung grossformatige vorfabrizierte Betonplatten gelegt. Die Sichtbetonhülle der gesamten Volumetrie wird in diesem Hofbereich unterbrochen und gewissermassen als „Ausschnitt“ anders, nämlich bezugnehmend auf die innenräumliche Materialisierung, farblich und mit hellgelb verputzten Aussenwänden gestaltet. Er gibt den Blick frei ins Kernstück der Glaspassage.

In verschiedener Hinsicht erinnert diese räumlich-funktionelle Disposition und auch die unterschiedliche Materialisierung der Betriebsteile mit Sichtbeton und Glas an den Erweiterungsbau der Uhrenfirma Corum von Hochuli Althammer Architekten in La Chaux-de-Fonds.

   

Flexibilität und räumliche Transparenz dank Betonskelettkonstruktion

Die gesamte Tragkonstruktion ist ein Betonskelettsystem mit teilweise zweigeschossigen schlanken Schleuderbetonstützen, die den Raum von störenden Tragwerkselementen befreien und einen flexiblen und variablen Betrieb ermöglichen. Eine Ausnahme bilden die Eingangspartie, der Gebäudeabschluss im Norden und der Kopfbau: sie bestehen aus stark perforierten Betonscheiben. Insbesondere gegen Süden und starke Sonneneinstrahlung bildet der „Betonbug“ mit Schlitzfenstern einen wirksamen und stimmungsvollen Sonnenschutz.

Die Grossraumzone im Atelierbau ist räumlich-funktionell durch Betonstützenreihen gegliedert in eine Nebenraum-, Service-, Arbeits- und Fensterschicht, die auch haus- und gebäudetechnische Klimazonen bilden.

Die bergseitige Betonwand ist vorgespannt gegen den enormen Hangdruck, jedoch in seiner Länge von 90 m nur im Bereich des Eingangshofes dillatiert. Es wurde gestalterisch auf ein regelmässiges Fugenbild geachtet, auch im Innenraum; die Fugenabdeckung erfolgte mit Chromstahlbändern.

 



Gebäudehülle

Die Gebäudehülle des Manufakturteils ist eine vorgestellte Glasschicht, versehen mit Chromstahlbändern in der Breite der inneren Deckenstirnen. Die über die Betonstützen um 85 cm auskragende Betondecke ist leicht verjüngt, um dem innenliegenden Gitterstoffrouleau Platz zu machen. Die Innenwände bestehen aus vorfabrizierten Elementeen und sind vom Primärtragwerk unabhängig; ihr Abstand zu den Betonstützen beträgt 10 cm.

Damit wirken sowohl die äussere wie innere Gebäudehülle leicht und bilden so auch ihre Funktion als vom Rohbau völlig unabhängige und losgelöste konstruktive Bauteile klar und nachvollziehbar ab.

 

Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil
 
     

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