BETONSUISSE Architekturgalerie
 
       

 

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Gemeindeverwaltung Wollerau / SZ
Bauherrschaft:   Gemeinde Wollerau / SZ
Raiffeisenbank Bezirk Höfe / SZ
Architekten:   Graber & Steiger dipl. Arch. ETH SIA BSA, Luzern
Bauingenieure:   Max Meyerhans, Wollerau
Fassadenplaner:   J. Zaba, Mebatech, Baden
Landschaftsarchitekt:   Heinzer Hüsler, Einsiedeln
Farbkonzept:   Franziska Zumbach, Beinwil am See
Wettbewerb:   1999
Bauzeit:   2001 – 2002
Monolith der Ruhe und Sicherheit

Situation
Der wohl proportionierte Kubus mit einem fast quadratischen Grundriss, der die Gemeindeverwaltung Wollerau sowie die Geschäftsstelle Höfe der Raiffeisenbank beherbergt, prägt eine heterogene örtliche Situation inmitten des bestehenden Dorfes mit seiner dispersen Vielfalt an Baustilen. Die Anlage schafft durch ihre markante moderne Präsenz sowie durch ihre leicht unter dem Strassenniveau angesetzte Lage auf einer weitläufigen Plattform einen neuen identifikatorischen Ort. Nicht nur das Volumen besitzt eine Ausstrahlung, auch die filigrane vorgehängte, bewegliche Sonnenschutzfassade führt zu einer einprägsamen Wahrnehmung. Der monolithische Baukörper mit seinen Nutzungen von öffentlichem Interesse und mit seinen inneren räumlichen Qualitäten sowie seiner Materialität beansprucht nicht nur eine architektonische Präsenz, sondern auch eine Permanenz und Monumentalität.

   

Die Architekten schufen, der Aufgabenstellung gemäss, zwei deutliche Eingangssituationen, die plastisch und aussenräumlich komplementär wirken: die Gemeindeverwaltung wird durch einen weiten, leicht unter dem Strassenniveau liegenden Platz erschlossen, den man über drei Stufen von der Strasse weg erreicht.

Den Eingang der Raiffeisenbank hingegen ersteigt man vom Strassen- und Trottoirniveau aus, das hier etwas tiefer liegt, über eine breite Treppenanlage; er ist als breites Podest gestaltet.

   

Funktionen und räumliche Qualitäten
Die Eingangshalle der Gemeindeverwaltung ist als weitläufiger „lounge“ konzipiert, als eine Wartehalle für die Erdgeschossbüros und mit einer Verbindung zur frei im Raum aufsteigenden Treppenanlage, die in einem Atrium oder Lichthof liegt, der die oberen Bürogeschosse erschliesst.

Dieses Foyer ist auch mit einer Sichtverbindung im oberen Teil mit der benachbarten Schalterhalle der Raiffeisenbank verbunden, was noch durch die zwar identischen, jedoch unterschiedlich eingeschalteten Leuchtkörper verdeutlicht wird.

Die Schalterhalle der Bank ist Fortsetzung des Foyers, getrennt durch eine Leichtbauwand, die im oberen Teil verglast ist und dadurch eine optische Verbindung schafft. Irritierend sind die analogen Leuchtkörper, die gespiegelt scheinen. Die überhohe Schalterhalle verleiht dem Raum, gleich wie bei der Eigangshalle der Gemeinde einen monumentalen und repräsentativen Charakter.

 



Der funktionelle „Schnitt“ durch das Gebäude erfolgt in drei Teilen für die Raiffeisenbank und vier Teilen für die Gemeindeverwaltung. Genau an die Schnittline liegt auf der Bankseite ein natürlich belichteter und belüfteter Innenhof, in den es hineinregnen kann und dessen Boden mit einer Feuchtbepflanzung versehen ist.

Bankseitig ist er durch die Erschliessungskorridore einsehbar, gemeindeseitig über eine Raumschicht mit Spezialnutzungen wie Besprechungszimmer u.a.

Während die Grundrissorganisation der Gemeindeverwaltung als „breites H“ ausgebildet ist, gruppieren sich die Banknutzungen „u-förmig“ um den offenen Innenhof.

   



In der Querrichtung zum Hauptaufgang im Gemeindehaus, der mit einer Oberlichtverglasung versehen ist, disponierten die Architekten eine zweite Zirkulationsschicht mit Nebentreppenhaus, Lift, Nebenräumen und einer direkten Aussicht auf den Vorplatz. Auf der Bankseite liegt deren Fortsetzung, getrennt durch eine Glaswand. Sie führt ebenfalls zu einer zusätzlichen Nottreppe.

Diese grundlegende funktionell-räumliche Disposition erlaubt jederzeit eine Anpassung an veränderte Nutzerbedürfnisse, wie Ausdehnung von Gemeindeverwaltung oder Bank, evtl. Einfügen von Drittnutzungen usw. Darüberhinaus sind sämtliche Büros frei disponibel, nicht durch Tragwerkselemente verstellt und variabel nutzbar. Ihre Standardeinrichtung und gebäudetechnische Ausrüstung erlaubt unbegrenzte Flexibilität, ohne dass das architektonische Konzept der Transparenz, der optischen Durchsichten und der einfachen Grundrissorganisation zerstört
Oder verunklärt würde.

Im Querschnitt durch die Anlage zeigt sich räumlich eine Positiv- bzw. Negativ-Figur in der Anordnung eines klima-offenen Innenhofes bzw. eines glasüberdeckten Atriums in der Haupterschliessungszone.

   



Flexibilität und räumliche Transparenz dank Betonkonstruktion
Die wesentlichen Elemente des Tragwerks wie Stützen und Decken aus grau eingefärbtem Beton bleiben in der ganzen Anlage sichtbar. Dies erlaubt nicht nur ein Nachvollziehen und Verständlichmachen des Rohbaus und der Machart, sondern erfüllt zudem den Zweck der Wärmespeicherung. Diese Fähigkeit hat Beton allerdings nur im rohen Zustand, d.h. durch den direkten Kontakt der Betonelemente mit der inneren Luftströmung. Dadurch werden sehr hohe Anforderungen und Ansprüche an den Beton, seine Gestaltung und Oberflächenbehandlung gestellt bzw. an die industrielle und handwerkliche Ausführung. Die Betonskelettkonstruktion erlaubt die geforderte Flexibilität in der Raumaufteilung und eines Betriebes, der sich verändernder Nutzung anpassen kann. Sämtliche raumgliedernden Bauteile sind raumhoch: farbige Akustikpaneele, Trennwände, Türöffnungen, Verglasungen etc.: sie bilden das zum Betonskelett komplementäre System der raumdefinierenden und nichttragenden Elemente.
 

 

Gebäudehülle

Die Gebäudehülle ist vollständig verglast und spielt sich zwischen den vorspringenden Deckenstirnen bzw. deren Verkleidungen ab.

Je nach Sonnenstand und Wetterlage öffnen oder schliessen sich vorgesetzte bedruckte Glaslamellen auf der ganzen Breite und Höhe das Glasbandfenster. Sie übernehmen die nötige Verschattung oder visualisieren simpel den Betriebsschluss.

Die Glaslamellen sind zu 60 % bedruckt nach einem einheitlichen netzartigen Muster.

 



Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil
 
     

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