BETONSUISSE Architekturgalerie
 
       

 

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Museum Franz Gertsch Burgdorf
Bauherrschaft:   Techpharma Management AG
Architekten:   Jörg+ Sturm ArchitektenAG
Gesamtprojektleitung:
Hans Martin Sturm, dipl. Arch. ETH SIA BSA
Projektleitung Planung:
Frau Marianne Hutter, Architektin FH
Projektleitung Ausführung: Peter Tschudin
Bauingenieur:   Dr. Mathys &Wysseier, Ingenieure& Planer AG Biel-Bienne, Markwalder + Partner AG Burgdorf
Haustechnik:   Steiner + Buschor, Ingenieure + Planer AG Burgdorf
Tageslicht:   Institut für Tageslichttechnik D-Stuttgart
Kunstlicht:   Lichtdesign GmbH D-Köln
Urbanes Museum

Situation
Das Museum Franz Gertsch fügt sich ins urbane Bebauungsmuster und schliesst die neueren Quartiere südöstlich des Bahnhofs gegenüber den Ausläufern der Altstadt Burgdorfs ab. Zugleich ermöglicht das Museum durch seine volumetrisch-räuliche Konstellation eine Verbindung in der Falllinie im Bereich des Hangfusses zur Hügelzone (Stadtkirche bzw. Technikum). Das Museum bildet demnach eine dreidimensionale Übergangsfigur mit einer eigenen urbanen Qualität.

   

Die volumetrische Komposition mit drei versetzten und gleichhohen, durchs Gelände angeschnittenen Baukörpern führt zu einer räumlichen Dramaturgie der Wegführung – eine „promenade d’architecture“. Diese lässt die positiv-nagativ-Figurbildung von Volumen und Zwischenräumen, Passagen und Plätzen als Figur-Grund-Operation im Schritttempo ablesen.

   

Diese Wegführung bereichert das bestehende urbane Wegnetz von Burgdorf auf diesem ehemaligen Milka-Areal und ermöglicht die Durchdringung von öffentlichem Raum und „privaterem“ Charakter des Museums, das auf einen einzelnen Künstler zugeschnitten ist.
Querschnitt durch die Museumsanlage.

   

Funktionen und räumliche Qualitäten
Die aus dem Boden ragenden Baukuben verraten ihre in den Untergrund reichende Tiefe nicht; sie besitzen weder eine Sockelzone, noch sind die Dächer sichtbar. Auch die Passerelle im OG ist geschlossen, und die Kuben weisen spärlich Öffnungen auf. Diese raum-plastische Konzeption bringen die Architekten durch eine präzis gearbeitete Betonschale zum Ausdruck.

 

Die Ausstellungsräume sind im wesentlichen auf zwei Ebenen angelegt. Der Weg durch die Ausstellungsräume ist nicht eine barocke „enfilade“, sondern gestaltet sich frei.

   



Der entscheidende Knoten- oder Kreuzungsort, wo sich die verschiedenen Ausstellungsbereiche räumlich verbinden ist eine raum-zeitliche „Transparenz“ mit vielfältigen räumlichen Durchdringungen, die simultan wahrgenommen werden können. Die wechselnden Lichtverhältnisse ermöglichen unterschiedlichste räumliche und auch funktionelle Bezüge.

Man erreicht diesen urbanen Ort vom Eingangsfoyer her über die erwähnte Passerelle, die lediglich zum Platz hin ein schmales Fensterband aufweist. Durch die gezielte Tages- und Kunstlichtführung in den Ausstellungsräumen von oben ergibt sich auf diesem Weg einscharfer Wechsel des Licht- und Schattenspiels.

Die Ausstellungsräume reduzierten die Architekten auf grosse, stille Rechteckräume mit weiss getünchten Wänden, gehobelten Eichenriemenböden und teilweise mit Oberlichtern versehenen weiss gestrichenen Decken.

Der im OG liegende Ausstellungsraum besitzt auf zwei Seiten ein Oberlichtband, während der unter ihm liegende auf UG-Niveau mit einer raumhohen Öffnung als Aussenbeziehung zum nordwestlich gelegenen Hofgartenbereich versehen ist.

Während diese Ausstellungsbereiche direkt erschlossen werden über den zentralen Zirkulationskern, ist einer der Ausstellungsräume im UG umschlossen und völlig introvertiert.

Der an der Lyssachstrasse gelegene Baukörper beinhaltet Wohnungen und die Zufahrt zur UN-Garage. Das Eigangsfoyer ist zugleich Bookshop und Infotheke, Besammlungsraum und Arbeitsort. Nordwestlich daran schliesst eine Cafeteria mit Galerie an, die den Blick frei gibt auf die höher gelegene Villa, wo sich die Museumsverwaltungsbüros befinden.

   










Beton: Konstruktion und Qualität
Die Gebäudehülle aus „béton brut“ ist präzis gearbeitet und gestaltet, das Fugenbild bewusst auf Flächigkeit konzipiert. Die Öffnungen sind aussenbündig gesetzt und mit einer schmalen Arbeitsfuge versehen. Die Flachdachkonstruktion ist mit Betonplatten abgedeckt, die am Rand dank einer tiefen Rinne sowie einer Aufbordung auf demselben Niveau abgeschlossen werden kann. Damit ist nur die schmale Stirnseite der Abdeckplatte sichtbar.

Die Oberlichter sind in die Plattenabdeckung des Flachdaches als abgeschrägte Vertiefungen eingebaut. Ihre oberste Kante ist ebenso flächenbündig wie die Öffnungen in den Fassaden. Die zweite „Klimagrenze“ liegt unterkant Decke und ist auch flächenbündig konstruiert. Dazwischen, im konstruktiven Bereich der Betondecke, liegen verstellbare lichtkonditionierende Lamellen. Dazu kommt noch eine heruntergehängte Decke, die verschiedene Funktionen der Ausstellungsbedingungen erfüllt: Raumabschluss, diffuses Licht, Staub, Raumakustik etc.

 



Fazit
Die umfassend in Sichtbeton gestaltete monolithische Erscheinung der gesamten Museumsanlage ist das Resultat eines entwerferisch auf hohem Niveau konzipierten Zusammenspiels von räumlicher Vielfalt, erlebnisreicher Wegführung und konstruktiv-technischer Umsetzung bis ins Detail.
 

 

Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil
 
     

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