| Neuapostolische Kirche Zuchwil |
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| Bauherrschaft: |
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Neuapostolische Kirche Schweiz |
| Architekten: |
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smarch – Ursula Stücheli und Beat Mathys, Bern
Mitarbeit: Daria Eser, Matthias Kocher, Isabelle Kunz, Jaqueline Paglialonga, Jonas Schöpfer, Ines Specker |
| Bauleitung: |
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Matthias Kocher |
| Bauingenieure: |
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Conzett, Bronzini, Gartmann; Dominik Weiss, Patrick Gartmann, Josef Dora, Marlene Graf, Chur |
| Betonbau: |
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Burn & Küenzi, Adelboden |
| Lichttechnik: |
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Neuco CH |
| Wettbewerb: |
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2002 (1. Preis) |
| Fertigstellung: |
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2005 |
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| Sakrale Betonskulptur |
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Situation
Die Neuapostolische Kirche Zuchwil befindet sich in unwirtlichem Territorium für eine Kirche, die Ruhe sucht und vermittelt: unmittelbar hinter dem Bahnhof Solothurn, parallel zu einer wichtigen Verbindungsstrasse und direkt vor einem Bahnübergang ... Andererseits prägt dieser ungewöhnliche Bau die örtliche Situation durch seine klare Setzung und seine Kubatur. Er übernimmt das geometrische Muster der westlichen und südlichen Bebauung und bildet eine übergreifende Figur im urbanen Kontext.
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An diesem Ort der urbanen Transitionsqualitäten und der gleichzeitigen Unwirtlichkeiten mit Verkehr, Lärm und Unruhe reagierten smarch mit einer introvertierten Betonskulptur, deren Innenraum sich nur nach oben öffnet. Der Raumkörper steht „leichtfüssig“ um ein Stockwerk abgehoben auf dem unter ihm liegenden Parkplatzfeld, so dass der Kirchraum gleichsam schwebt. |
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Während der Kirchenraum mural umschlossen ist, wird das Foyer demgegenüber zu einem Bestandteil der umgebenden Alltäglichkeit durch seine einladende grosse Öffnung. Die auf Strassenniveau ansetzende leicht nach oben geneigte Rampe für unter ein weit vorkragendes Vordach und schliesslich zur verglasten Eingangsfront. Dadurch bilden sich fliessende, aber materiell gestaltete Übergänge vom öffentlichen und halböffentlichen zum privaten Raum über differenziert wahrnehmbare Zonen.
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Funktionen und räumliche Qualitäten
Der Sockel des Baukörpers besteht aus einer unterteilbaren Raumzone für Versammlungen, Sitzungen und Unterricht, die samt Nebenräumen und Nasszellen die Hälfte des darüber liegenden Kirchenraumes einnimmt. Der westliche Teil des Kirchenraumes liegt auf einem ausgerundeten und nur auf einer Auflagerlinie abgestützten leicht wirkenden Betonband.
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Die Figurbildung des Kirchenraum selbst ist als zwei übereinander greifende, leicht verschobene und gewölbte „Handflächen“ symbolisch gestaltet. Die Verschiebung ermöglicht dabei ein auf der ganzen Raumbreite freigelegtes Oberlicht, das den ganzen Raum aufhellt und zugleich durch die Rundung der frontalen Wand differenziert und abgestuft einfällt. Zugleich entschwebt der Fussboden unmerklich und ohne seine obere Grenze sichtbar zu lassen in den Himmel, was die Symbolik und das dadurch vermittelte mystische Raumgefühl noch verstärkt.
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Im Grundriss erscheint die räumliche Organisation und Möblierung als rational – der Raum lebt vom Schnitt, er wurde auch so entworfen. Nebst der ebenen Raum- und Möblierungszone gibt es eine steil ansteigende, die unter sich weitere Neben- und Vorbereitungsräume sowie den Hauptzugang zum Kirchenraum freispielt. Das grosse und die gesamte Baubreite einnehmende Foyer schliesslich grenzt sich von diesen Nebenräumen durch eine weitere raumhohe Ausrundung ab, die lediglich eine tunnelartige Passage zum Hauptraum freilässt. Diese vermittelt eine Dramaturgie der räumlichen Wegführung und räumlichen Dynamik vom sehr hellen, sich zur Umgebung hin öffnenden quasi profanen und extravertierten Eingangsfoyer bis zum introvertierten nur ganz vorne von oben her Licht einlassenden sakralen Kirchenraum.
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Beton: Konstruktion und Qualität
Der Baustoff Beton und die Betontechnik auf dem neuesten Stand ermöglichten diese ungewöhnliche Gestaltung der Kirche. Gleichsam wie die Vergrösserung eines scharf und präzis geschnittenen und gearbeiteten Kartonmodell auf den Massstab 1:1 wurde mit dem Beton gearbeitet: die Rundungen und Übergänge von Ebenen zu gekrümmten Flächen sowie die Oberfläche und das Schalungs- und Fugenbild sind mit erstaunlicher Präzision ausgebildet. Dies zeugt nicht nur von hoher Qualität der vorgelagerten architektonischen und ingenieurmässigen Vorbereitungsarbeit, sondern insbesondere auch der handwerklichen Ausführung durch die beteiligte Firma und den federführenden Polier, auf welche Architekten und Ingenieure angewiesen sind, wollen sie ein Bauwerk so ausgestalten wie das kompromisslose Abbild einer entwerferisch-gestalterischen und konstruktiv-technischen Konzeption einer exponierten und exklusiven Bauaufgabe. |
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Fazit
Mit dem Entwurf der Kirche Zuchwil nehmen smarch eine gestalterische Linie wieder auf, die etwa Le Corbusier mit Ronchamp und La Tourette eingeführt und die gewisse Nachfolger wie etwa André Studer und andere gefunden hat, die jedoch länger schon unterbrochen war. Die moderne Betontechnik erlaubt heute den Übergang von den Ikonen des „béton brut“, geprägt durch rohe Bretterschalung zur perfekten Betonskulptur mit scharf geschnittenen Kanten und ebenmässigen Flächen – doch die räumlichen Qualitäten bleiben vergleichbar und bilden gewissermassen die Konstante, während Konstruktion und Technik die variablen Gestaltungsfelder zur Verfügung stellen. |
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Literatur:
- archithese 5.2005
- werk, bauen + wohnen 9/2005
Quellen
Pläne und Dokumentation: Architekten Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil |
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