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| Güterbahnhof Lausanne-Sébeillon |
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| Bauherrschaft: |
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Chemins de fer fédéraux suisses, premier arrondissement |
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Camion Transport AG Cargo Domicile
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| Bauingenieure: |
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Alexandre Sarrasin, Ingénieur et Bureau de construction des CFF |
Unternehmungen: |
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Consortium FGM: Foretay S.A., A. Girberger S.A., J.Muller et fils; Ateliers de Construction Mécaniques Vevey;
Losinger & Co. S.A. (précontrainte) |
| Projekt; Ausführung: |
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1950; 1951-53 |
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| Licht und Leicht – Betonhalle von Sarrasin |
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Situation und Bedeutung
Der Güterbahnhof aus den ersten Jahren der Nachkriegszeit 1951-53 liegt im Westen des Lausanner Zentralbahnhofs und bildet das Zentrum einer weitläufigen Geleiseanlage, die heute nur noch teilweise genutzt wird. Die Haupthalle ist 140 m lang. Vorgelagert ist ein Bürotrakt von 16 m Raumtiefe.
Im Querschnitt überdeckt die Halle einen Nutzraum von 36 m, der an der Südseite einen zweistöckigen Ergänzungstrakt von 17 m Breite aufweist, der im Bereich des Erdgeschosses als offene Hallemit Rampe der Anlieferung für Camions dient.
Der Güterbahnhof Sébeillon weist eine herausragende Bedeutung auf, sowohl als Leistung der Ingenieurbaukunst wie in Hinsicht der architektonisch-räumlichen Qualität. |
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Alexandre Sarrasin
Der Bauingenieur Alexandre Sarrasin (1895-1976) war ein Zeitgenosse von Robert Maillart und der „zweite“ grosse Ingenieurpionier der Schweiz. Wie Maillart begann er seine Laufbahn mit Brücken. Zeitgleich mit Maillarts Salginatobelbrücke im Kanton Graubünden (1930) konstruierte Sarrasin die Staldenbrücke im Kanton Wallis, zusammen mit den ArchitektenA. De Lalbermatten, M. Polak und A. Hoch.
Seine wichtigsten Brücken entstanden zwischen 1925 und 1940. Gleichzeitig befasste sich Sarrasin – auf den Spuren von Eugène Freyssinet, des Erfinders der vorgespannten Betontechnik – mit Konstruktionen, deren Leichtigkeit und Beschwingtheit nur dank des Vorspannbetons möglich waren, wie die Staumauer des Rückhaltebeckens von Marécottes (1925) verdeutlicht.
Ein Vorläufer der Güterumschlagshalle Lausanne-Sébeillon ist wohl die offene Markthalle in Vevey aus der Pionierzeit der Moderne (1934-35). Und nach Sébeillon folgt noch ein weiterer Höhepunkt: der Verwaltungsbau von Nestlé in Vevey (1957-60) des Architekten Jean Tschumi; hier arbeitete Sarrasin mit dem Ingenieur M. Cosandey zusammen. |
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Funktion, räumliche Qualitäten und Betonkonstruktion
Der Kernbereich der Halle wird gebildet durch 8 tonnenförmige, quer zum Raum und mit 9m Abstand angeordnete vorgespannte Schalen, die auf 2 seitlichen, durch zahlreiche Öffnungen perforierten Längswänden aufliegen und die 36 m stützenfrei überspannen, jeweils 9 m breit sind und eine konstruktive Dicke von lediglich 8 cm aufweisen! Als notwendige Zugbänder wirken zwischen den Schalen gespannte Deckenelemente, die ebenfalls 36 m weit sind, jedoch im Querschnitt leicht gewölbt und an der Unterseite mit Rippen in der Längsrichtung der Halle versehen sind. Damit kann einerseits Regenwasser und Schnee abgeleitet, andererseits dem „Zwischenglied“ eine körperhafte, raumhaltige Form gegeben werden. Dadurch erreichte Sarrasin eine nach allen Seiten wirkende Steifigkeit der gesamten Dachkonstruktion: Weder die einzelnen Schalen noch die horizontalen Deckenplatten würden einzeln in der Lage sein, die 36 m zu bewältigen – nur im kraft- und formschlüssigen Verbund kann die statische Bestimmtheit erreicht werden.
Dank der leichten und vollständigen Verglasung und schlanken Metallprofilen zwischen dem horizontalen Zugband und der gewölbten Überdachung erreichte Sarrasin eine erstaunliche Leichtigkeit und Lichtdurchflutung des gesamten Hallenraums für die Funktion des personenintensiven Güterumschlags.
Für die an der östlichen Stirnseite vorgestellte Umschlaghalle (unter den Büros) wählte Sarrasin eine robuste Platten-Balken-Konstruktion nach dem „Système Hennebique“.
Dieser Trakt versteift die gesamte Halle in der Längsrichtung; an der Westseite genügten zwei diagonale Zugelemente im Gewölbe. |
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Leichte Bauweise mit vorgespannter Betontechnik
Die Kombination von weit gespanntem Gewölbe und dazwischen liegendem Zugband stellt eine originelle Lösung dar, eine grosse Halle mit Tageslicht durchfluten zu lassen und der ganzen Architektur des Raumes eine Leichtigkeit zu geben. Dasselbe Bild zeigt sich in den abgehängten dünnen Betonvordächern, deren Schnittkanten wie metallische Linien die äusserste Begrenzung markieren.
Und dasselbe Bild erscheint in der Dachlandschaft: Aus einer wellenförmigen weitflächigen Ebene ragen die 8 seitlich verglasten flach gekrümmten Schalen wie Dünen empor – Eleganz der leichten und lichten Betonkonstruktion von Aussen wie Innen. |
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Literatur
Eugen Brühwiler u. Pierre Frey, Alexandre Sarrasin. Structures en béton armé, audace et invention, Lausanne 2002 (EPFL, presses polytechniques et universitaires romandes). Quellen
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil |
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