Wer mit dem Zug in Zürich einfährt, kann die Neubauten an der Europaallee kaum übersehen.

Architekten Caruso St John Bosshard Vaquer, Zürich
Bauzeit 2011-2013

Bauherrschaft

Schweizerische Bundesbahnen SBB

Bauleitung

Implenia GU, Bern
Bauingenieure INGE Conzett Bronzini Gartmann AG; Pfyl Partner
Fassadenplaner Emmer Pfenninger Partner, Münchenstein

Wer mit dem Zug in Zürich einfährt, kann die Neubauten an der Europaallee kaum übersehen. Auf der Basis einer Planung von KCAP aus dem Jahr 2004 entsteht am südlichen Rand des Geleisefelds ein neues Quartier mit hoher Dichte. Das Baufeld E, das erste mit einem grösseren Wohnanteil, setzt Massstäbe für die künftige Bebauung. In Abweichung von der Planung schlugen die Architekten zwei Türme vor, was es ihnen erlaubte, den Gebäudesockel auf dem Niveau des anschliessenden Quartiers zu halten. Diese Anbindung ist umso wichtiger, als die Bauten in naher Zukunft innerhalb des Stadtkörpers liegen werden und nicht mehr von der Weite des Geleisefelds profitieren können. Weil die folgenden Projekte die Themen von Baufeld E aufnehmen, wird sich rings um den neuen Platz über einer kompakten, aber nur mässig hohen Bebauung eine Gruppe relativ schlanker Türme erheben. Das Thema der differenzierten Gliederung, das die Volumetrie prägt, setzt sich bis in die Detailgestaltung fort. Die unterschiedlichen Nutzungen des öffentlichen Erdgeschosses, der Büros in den Obergeschossen des Sockels und der Wohnungen in den Türmen werden als Varianten einer übergeordneten tektonischen Gliederung zum Ausdruck gebracht. Diese zeichnet die Tragstruktur aus Stützen und Deckenplatten nach, gibt den nach unten zunehmenden Lasten Gestalt und artikuliert Füllungen und Öffnungen. In einem hohen, grosszügig rhythmisierten Erdgeschoss findet das Haus seinen Anfang, in einem schrägen Dach seinen Abschluss, und mit einer doppelgeschossigen Pfeilerhalle mit zugeordneter Bar wendet es sich dem Platz zu. Das Mittel der Gestaltung ist eine plastisch ausgebildete, in Oberflächen und Farbigkeit differenzierte Kunststeinfassade. Sie verleiht dem Gebäude Tiefe und erleichtert so die Integration von Loggien, Markisen und Geländern. Vor allem aber verbindet sie das Haus mit der Stadt, was sowohl aussen wie auch innen wirksam wird. Virtuos werden dabei die Möglichkeiten des Kunststeins genutzt, durch unterschiedliche Profile, Farben und Oberflächen differenzierte Aussagen zu machen und insgesamt die Wirkung einer hochwertigen, alltagstauglichen und dauerhaften Architektur zu erzeugen. Dass dies am Gustav-Gull-Platz geschieht, der nach einem Architekten und Stadtbaumeister benannt ist, der meisterhaft mit Kunststein umzugehen wusste, ist eine schöne Koinzidenz.

  • Die Lagerstrasse wird sich bald in eine grosszügige Allee verwandeln, in der ein Bus und später sogar ein Tram fahren werden. Die Gestaltung des öffentlichen Erdgeschosses trägt dieser Tatsache Rechnung. Eine hohe Pfeilerhalle mit zugehöriger Bar verleiht dem Gustav-Gull-Platz ein grossstädtisches Flair.

  • Die Oberflächenstruktur der grossen horizontalen Elemente erinnert an eine Bossierung, ohne den Meisselschlag nachzuahmen. Sie wurde mittels Schalungsmatrize und Sandstrahlung erzeugt und verleiht den Elementen einen Ausdruck von Schwere und Massivität. Die gesamte Fassade gewinnt so den Charakter steinerner Solidität – trotz grosser Glasflächen.

  • Die kostbar wirkenden Kunststeinelemente helfen, Urbanität zu erzeugen. Dass dies an historische Beispiele erinnert, ist unvermeidlich, weil das Bedienen von Konventionen Teil des Spiels ist. Zitiert wird nicht, aber es finden sich Bezüge zu Architekturen aus unterschiedlichsten Epochen. Die kalksteinbeigen Elemente sind sandgestrahlt und bezeichnen die tektonische Struktur, die grünen sind gesäuert oder poliert und artikulieren die Füllungen. Oberflächen und Profile laden dazu ein, sie zu berühren.

  • Die Wohnungen bedienen gekonnt gehobene Ansprüche. In diesem Kontext aussergewöhnlich ist das Angebot für gemeinschaftliches Wohnen

  • Die Plastizität der Fassade ist auch im Innern wirkungsvoll. Ihre Tiefe sorgt dafür, dass die Räume trotz der riesigen Fenster ihre Intimität nicht verlieren. Die Fassade schafft einen Raum zwischen innen und aussen, der beide Sphären miteinander verknüpft.

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