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| Autobahntankstelle
Deitingen-Süd/SO an der A1 Bern — Zürich |
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Baujahr:
1968
Bauherrschaft: BP
Gesamtprojekt: Heinz Isler, Dr. sc. techn. dipl. Ing. ETH, Burgdorf/BE |
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| Schalenflügel |
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Standort
Die Überdachung des Servicebereiches der BP-Takstelle mittels
zweier Schalen wirkt von weither als Flügel.
Ursprünglich
war das Tankstellendach als Markenzeichen für mehrere Servicestationen
in der Schweiz gedacht. |
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Formungsmethoden
Heinz Isler gelangte um 1950 über die Beobachtung von Kissenformen
zur Konstruktion von Buckelschalen, die über quadratischen
Grundformen errichtet werden konnten und zenitale Öffnungen
zuliessen. Als Grundelement konnte die Buckelschale zu unbeschränkt
wachsenden Strukturen zusammengefügt werden und kam insbesondere
im Industrie- und Lagerbau zum Einsatz.
Die
Beobachtung eines durchnässten,
durchhängenden Jutegewebes führte 1955 zur Idee lslers,
die Membran, wenn sie gefroren war, umzudrehen und damit empirisch
die gewünschte Form einer idealen Schale zu erhalten. Damit
begann Isler, mit freien Hänge- und Schalenformen zu experimentieren.
Die
reinste und einfachste Schalenform bildet das Dreieck, wie dies
bei der Autobahntankstelle zum Ausdruck kommt. |
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Bauaufgabe und besondere Probleme der Konstruktion
Die Tankstelle wurde durch zwei dreieckige Schalenflügel überdeckt
mit den Dimensionen von je 26 x 31 x 31 m. Die Eckpunkte liegen
auf
unterschiedlichen Höhen.
Die
zwei gegenüberliegenden Dreieckspitzen
bilden auf Erdgeschosshöhe je Sockelelemente, die durch
Zugbänder
miteinander verbunden sind, um dem Horizontalschub entgegenzuwirken.
Während des Bauverfahrens musste ein provisorisches Spannglied
eingebaut werden, um die Standsicherheit vorerst einer der Schalen
zu gewährleisten; nachher wurde der Schub beider Schalen "kurzgeschlossen".
Da die Schalen vorgespannt sind, wurde das Fundament in Richtung
Mitte
verschoben und der offene Schlitz im Zugbandriegel zubetoniert.
Beim Ausschalen bildete sich die richtige Form.
Die
vier Grundpunkte der
Dreiecke liegen auf dem Dach eines nicht von Heinz Isler konzipierten
einstöckigen, zentralen Servicegebäudes.
Die
Form der Schale wurde ebenfalls in einem Hängeversuch ermittelt,
um eine statisch ideale konstruktive Form ohne Randträger
zu erreichen. Anhand eines Modellversuchs konnte das Tragverhalten
nachgewiesen werden. |
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Raumform
und Bildwirkung
Das von Heinz Isler entwickelte Verfahren der Schalenkonstruktion
einer idealen, "natürlichen" Form bedingt zwar einen
gewissen Aufwand an Gerüsten, Schalungstechnik und "Trajektorenbewehrung",
führt aber zu einer eleganten, faszinierenden und überzeugenden
Erscheinung, die auch von Laien als vertrautes Bild wahrgenommen werden
kann. Erstaunen kann die dünne Schale, betrachtet man ihre Stirnseite
aus der Nähe. |
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Gestaltungsvielf
alt in Beton
Heinz Isler bildete den Beginn eines empirischen Denkens in der modernen
architektonisch orientierten Ingenieurbaukunst. Seine Schalenkonstruktionen
sind Ausdruck einer von Eugéne Freyssinet begründeten
Denkschule, weiter geprägt etwa durch Eduardo Torroja, Felix
Candela u.a. sowie weiterentwickelt durch Frei Otto und Bodo Rasch,
Jörg Schlaich usw. Es ist der Versuch, ein in der Natur beobachtetes
Formphänomen als künstlichen Artefakt nachzubilden und damit
als räumlich-konstruktiv-formale Konzeption ins Repertoire der
Baukultur einzufügen. |
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| Text
und Bildzuordnung: Ulrich Pfammatter |
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Literaturhinweis:
- Ekkehard Ramm u. Eberhard Schunck, Heinz Isler. Schalen (Katalog
zur Ausstellung 1986), Hg. Gesellschaft für Ingenieurbaukunst
(ETH Hönggerberg), ergänzte Neuauflage Zürich
2002 (mit nachgeführtem Publikationsverzeichnis sowie
weiterführender Literatur).
- Winfried Nerdinger (Hg.), Exemplarisch. Konstruktion und Raum
in der Architektur des 20. Jahrhunderts, Prestel Verlag München
2002.
- John Chilton, Heinz Isler. The Engineer’s Contribution
to Contemporary Architecture, London 2000.
Quellen
Bilder, Pläne und Dokumentation: von Heinz Isler, Burgdorf,
ausser Foto Detail
Stirnseite v. Ulrich Pfammatter, Bettwil.
Panoramas: Marco Homberger, CH-6004 Luzern
Autor
Prof. Dr. Ulrich Pfammatter, CH-5618 Bettwil
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