Im Gespräch mit Christian Stettler
BETONSUISSE hat mit Christian Stettler über die besonderen Herausforderungen des Projekts, den Nutzen der Weiterbildung und die Bedeutung fundierter Fachkenntnisse für die Instandsetzung bestehender Betonbauwerke gesprochen. Der DAS Betoningenieur*in der FHNW besteht aus drei CAS (Certificate of Advanced Studies), darunter der CAS «Schutz und Instandsetzung von Betonbauten».
Weshalb haben Sie sich für den DAS Betoningenieur entschieden?
Ich arbeite seit vielen Jahren im Tiefbau und begleite die Ausführung unterschiedlichster Bauprojekte. Da Beton in meinem Berufsalltag eine zunehmend zentrale Rolle spielt, wollte ich mein Fachwissen weiter vertiefen und die Zusammenhänge zwischen Planung, Ausführung, Dauerhaftigkeit und Instandsetzung besser verstehen. Der DAS Betoningenieur*in hat mir dafür das notwendige theoretische und praktische Wissen vermittelt.
Sie betreuen aktuell ein Projekt zur Betoninstandsetzung. Können Sie dieses kurz vorstellen?
Aktuell betreue ich die Instandsetzung einer bestehenden Lawinengalerie. Die Betonkonstruktion weist erhebliche Risse und Schäden infolge einer fortschreitenden Alkali-Aggregat-Reaktion auf. Zudem bestehen Defizite bei der Tragsicherheit.
Der schadhafte Beton wird mit dem HDW-Verfahren (Hochdruckwasserstrahlen) bis zur bestehenden Bewehrungslage abgetragen. Anschliessend werden die Galeriewände durch SCC-Vorbeton (selbstverdichtender Beton) und eine zusätzliche Bewehrungslage verstärkt. Die Galeriedecke wird, wo erforderlich, instand gesetzt und neu abgedichtet. Ziel ist es, die Tragsicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit des Bauwerks langfristig wiederherzustellen.
Was macht die Arbeiten an dieser Lawinengalerie besonders anspruchsvoll?
Die Bauzeit ist aufgrund der Lawinengefahr auf die Monate Mai bis November begrenzt. Wie real dieses Risiko ist, zeigte sich im Frühjahr 2026, als erstmals seit Jahrzehnten wieder eine Lawine im Bereich der Galerie niederging. Gleichzeitig sind die Platzverhältnisse sehr eng. Der Verkehr wird während der Arbeiten einspurig an der Baustelle vorbeigeführt. Auch der Umgang mit der Tierwelt erfordert besondere Massnahmen. Die Umgebung bietet Schlangen einen geeigneten Lebensraum. Deshalb wurde ein Konzept erarbeitet, das den Schutz der Arbeitenden gewährleistet. Bislang wurde während der Bauarbeiten lediglich einmal eine Schlange gesichtet. Nach Abschluss der Sanierung sollen rund um das Bauwerk wieder geeignete Lebensräume für die Tiere entstehen.
Welche Inhalte aus dem CAS «Schutz und Instandsetzung von Betonbauten» konnten Sie bei diesem Projekt direkt anwenden?
Direkt anwenden konnte ich insbesondere mein Wissen in der Schadensanalyse, der Zustandsbeurteilung sowie bei der Wahl geeigneter Instandsetzungsmassnahmen. Dadurch bin ich heute in der Lage, technische Lösungen besser zu beurteilen und deren Ausführung gezielt und fachgerecht zu begleiten.
Welche Erwartungen hatten Sie an die Weiterbildung?
Ich erwartete eine anspruchsvolle Weiterbildung, die fundiertes Fachwissen vermittelt und gleichzeitig aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis aufgreift. Besonders wichtig war mir der direkte Bezug zu den Herausforderungen, denen ich im Berufsalltag und auf der Baustelle begegne. Gleichzeitig wollte ich mein Netzwerk innerhalb der Branche erweitern.
Welche Inhalte oder Module haben Sie besonders weitergebracht?
Besonders wertvoll waren für mich die Schadensbeurteilung, die Wahl geeigneter Instandsetzungsmassnahmen sowie die vertieften Kenntnisse über Betonsorten und Nachbehandlungsverfahren. Dieses Wissen hilft mir heute, Bauwerke besser zu beurteilen und technische Entscheidungen auf Baustellen sicher und fachgerecht zu treffen.
Wie haben Sie den Praxisbezug und den Austausch mit den Dozierenden sowie den anderen Teilnehmenden erlebt?
Der Praxisbezug war sehr hoch. Viele Dozierende verfügten über langjährige Erfahrung aus Planung, Forschung und Ausführung. Der Austausch mit den anderen Teilnehmenden aus unterschiedlichen Bereichen der Bauwirtschaft war ebenfalls sehr bereichernd.
Hat sich Ihre Herangehensweise an Projekte durch die Weiterbildung verändert?
Ja. Heute sehe ich bei einem schadhaften Betonbauwerk nicht mehr nur das sichtbare Problem, sondern denke gleichzeitig an mögliche Ursachen und passende Instandsetzungsmassnahmen. Dieses vertiefte Verständnis unterstützt mich dabei, technische Entscheidungen besser nachzuvollziehen und im Berufsalltag fundierte Lösungen zu erarbeiten.
Welche Herausforderungen sehen Sie künftig in der Betontechnik und Betoninstandsetzung?
Eine grosse Herausforderung wird sein, bestehende Infrastrukturbauwerke wirtschaftlich und nachhaltig instand zu halten. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Ressourcenschonung, CO₂-Reduktion, neue Baustoffe und steigende Anforderungen an die Dauerhaftigkeit weiter an Bedeutung. Darüber hinaus sind Fachkräfte gefragt, die über fundiertes Fachwissen verfügen und ihr Handwerk verstehen.
Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht die Instandsetzung für nachhaltiges Bauen?
Die Instandsetzung leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Durch die Verlängerung der Nutzungsdauer bestehender Bauwerke können Ressourcen geschont, Abfälle reduziert und der Bedarf an Neubauten verringert werden. In vielen Fällen ist die Instandsetzung nicht nur technisch sinnvoll, sondern auch umweltfreundlicher.
Wem würden Sie den CAS «Schutz und Instandsetzung von Betonbauten» besonders empfehlen?
Ich würde den CAS «Schutz und Instandsetzung von Betonbauten» Fachpersonen empfehlen, die bestehende Betonbauwerke beurteilen, planen, ausführen oder instand setzen. Besonders wertvoll ist er für alle, die Schäden nicht nur erkennen, sondern auch deren Ursachen verstehen und geeignete Massnahmen fachlich beurteilen möchten. Der CAS vermittelt dafür fundiertes Wissen mit einem starken Bezug zur Praxis.
Wie würden Sie die Weiterbildung in einem Satz zusammenfassen?
Der DAS Betoningenieur*in vermittelt fundiertes und praxisnahes Fachwissen und fördert ein ganzheitliches Verständnis für Betonbauwerke über deren gesamten Lebenszyklus hinweg.
Vielen Dank, Herr Stettler, für das interessante Gespräch und die spannenden Einblicke in Ihre Arbeit. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihren Projekten.
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