Eine weitere Herausforderung ist die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung. Kabelkanäle, Beleuchtung, Brandmeldeanlagen und weitere Installationen verlaufen unmittelbar entlang der zu bearbeitenden Bauteile. Während des Tages müssen diese Systeme vollständig funktionsfähig sein.
Vor den eigentlichen Baumeisterarbeiten werden deshalb Provisorien eingerichtet. Kabelkanäle werden demontiert und die Leitungen mit Abstand zu den Querträgern temporär aufgehängt. Besonders sorgfältig muss mit dem durchgehenden Brandmeldekabel umgegangen werden, das empfindlich auf Wärme und mechanische Belastungen reagiert. Die Abstimmung zwischen Bauarbeiten und technischer Ausrüstung erfolgt abschnittsweise. Nach der Vorbereitung werden jeweils rund 30 Querträger instandgesetzt. Im Anschluss an die baulichen Massnahmen folgt die vollständige Neuausrüstung des Tunnelabschnitts mit der normgemässen Sicherheitsausrüstung.
Bauen in der Grundwasserschutzzone
Neben der Verkehrsführung und der Betriebssicherheit spielt auch der Gewässerschutz eine wichtige Rolle. Am Basler Portal grenzt der Tunnel an die Grundwasserschutzzone Hardwald. Deshalb muss verhindert werden, dass belastetes Wasser aus den Bauarbeiten ins Grundwasser gelangt.
Beim Betonabtrag mit Hochdruckwasser entsteht Schmutzwasser mit einem hohen pH-Wert zwischen 12 und 13 sowie einer Trübung durch feinste Betonbestandteile. Es muss deshalb separat aus dem Tunnel abgeführt, in ein Absetzbecken geleitet und dort neutralisiert werden. Die Ableitung wird überwacht und die Einhaltung der Grenzwerte durch die Umweltbaubegleitung kontrolliert. Auch diese Lösung ist nur für die Dauer der Bauarbeiten vorgesehen.
Sicher arbeiten unter Tage
Für die Realisierung gilt der Tunnel als Untertagebaustelle. Ein Personenkontrollsystem erfasst zu jeder Zeit, wer sich im Tunnel befindet. Der Arbeitsraum auf den Plattformen ist vom Fahrraum getrennt und wird als eigener Sicherheitsbereich behandelt. Die Plattformen verfügen neben dem regulären Zugang über einen zweiten, alarmgesicherten Fluchtweg. Akustische und visuelle Alarmanlagen, Notfalltaster sowie eine externe Belüftung ergänzen das Sicherheitskonzept. Auch die Sicherheit des Verkehrs muss während jeder Bauphase gewährleistet sein. Im Ereignisfall müssen die Blaulichtorganisationen eine Unfallstelle innerhalb kurzer Zeit erreichen können. Fluchtwege, Verkehrsführung und Baustelleninstallation werden deshalb gemeinsam geplant.
Verkehrsdaten bestimmen den Bauablauf
Bereits vor Beginn der Bauarbeiten wurde das Verkehrsaufkommen detailliert untersucht. Daten aus Verkehrsleitsystemen und digitalen Verkehrsdiensten dienten dazu, geeignete Sperrzeiten festzulegen und mögliche Rückstaus abzuschätzen. Das Monitoring wird während der Bauzeit fortgeführt. Vor Veranstaltungen oder anderen Ereignissen, die zusätzlichen Verkehr verursachen könnten, werden die Prognosen überprüft. Bei Bedarf können Zeitfenster angepasst, Arbeitsabläufe verändert oder einzelne Nachteinsätze ausgesetzt werden. Die Planung reagiert damit laufend auf die tatsächliche Verkehrssituation. Bauqualität und Arbeitssicherheit werden nicht gegen den Verkehrsfluss ausgespielt, sondern durch abgestimmte Prozesse mit ihm in Einklang gebracht.
Etappe für Etappe bis 2028
Die ersten rund 30 Querträger sind bereits fertiggestellt. Für die Fahrtrichtung Basel laufen die Untersuchungen als Vorbereitung für die Arbeiten im Jahr 2027. Nach aktuellem Stand soll das Projekt Ende 2027 beziehungsweise Anfang 2028 abgeschlossen werden. Im Nachgang folgen die Restarbeiten, Tests und Inbetriebnahme der neuen Betriebs- und Sicherheitsausrüstung des Tunnels. Damit zeigt sich auch im Bauablauf der Grundgedanke des Projekts. Die bestehende Infrastruktur wird nicht für eine umfassende Erneuerung ausser Betrieb genommen. Die Eingriffe erfolgen abschnittsweise und werden laufend an Betrieb, Verkehr und Zustand des Bauwerks angepasst.
80 bis 100 Jahre nutzen
Mit der Instandsetzung soll der Tunnel Schweizerhalle bis zum Ende seiner vorgesehenen Nutzungsdauer von insgesamt rund 80 bis 100 Jahren betrieben werden können. Gleichzeitig wird erwartet, dass in den kommenden 15 bis 20 Jahren keine vergleichbaren grösseren Eingriffe an der Tragstruktur notwendig werden. Ohne Massnahmen würde die Korrosion weiter fortschreiten. Nach Einschätzung des ASTRA könnte dann bereits zwischen 2040 und 2050 ein Abbruch mit Ersatzneubau erforderlich werden. Ein Ersatz wäre zudem kaum vermeidbar. Auf dem Tunnel liegen der Rangierbahnhof Muttenz und wichtige Güterverkehrsgleise. Die Funktion der bestehenden Konstruktion könnte nicht ersatzlos entfallen.
Dauerhaftigkeit heisst rechtzeitig handeln
Die Instandsetzung des Tunnels Schweizerhalle zeigt, dass Dauerhaftigkeit nicht bedeutet, ein Bauwerk über Jahrzehnte unangetastet zu lassen. Dauerhaftigkeit entsteht durch Überwachung, Zustandsdiagnostik, Unterhalt und gezielte Erhaltungsmassnahmen. Aus ökologischer Sicht ist dies von grosser Bedeutung. Die Emissionen aus der Herstellung des verbauten Betons und des Stahls sind bereits entstanden. Wird die Tragstruktur weiter genutzt, werden die eingesetzten Baustoffe, die graue Energie und der bereits geleistete Bauaufwand weiter genutzt. Ein vorzeitiger Rückbau und ein materialintensiver Ersatzneubau können vermieden oder deutlich hinausgeschoben werden. Der Tunnel Schweizerhalle macht damit den Wert des Bestands sichtbar. Nicht jeder chloridbelastete Beton muss vollständig entfernt werden. Entscheidend sind der Zustand des Bauteils, seine statische Funktion und ein darauf abgestimmtes Schutzkonzept. Mit Bauwerksdiagnostik, kathodischem Korrosionsschutz und einer präzise organisierten Baustelle wird die mehr als 60 Jahre alte Tragstruktur für weitere Jahrzehnte gesichert. Die Instandsetzung ermöglicht damit, die vorgesehene Lebensdauer des Bauwerks möglichst vollständig auszuschöpfen, statt die bestehende Konstruktion Jahrzehnte zu früh zu ersetzen. Dauerhaftigkeit bedeutet hier: rechtzeitig eingreifen, damit Bestehendes möglichst lange weitergenutzt werden kann.