Während der Planung wurden Varianten für verschiedene Gebäudeteile untersucht. Dazu gehörten unterschiedliche Fassadenlösungen, verschiedene Beton- und Zementsorten, nichttragende Innenwände in Leicht- oder Massivbauweise sowie neue, rezyklierte und wiederverwendete Doppelbodenelemente.
Beton wurde dort eingesetzt, wo er konstruktiv beziehungsweise statisch erforderlich war. In den Obergeschossen wurde die Tragstruktur dagegen sehr konsequent reduziert. Die Decken wurden auf 24 cm optimiert, der Beton beschränkt sich dort im Wesentlichen auf Decken und Stützen. Fassade und nichttragende Innenwände wurden leichter ausgeführt.
Tragstruktur gezielt verschlankt
Aufgrund der Einstellhalle im Grundwasser, der Schutzräume und der Anforderungen an die Aussteifung blieben die Untergeschosse und Kernbereiche in Beton. Für die Decken der Obergeschosse wurden alternative Konstruktionen geprüft. Wegen statischer Anforderungen, Einlagen und Gewichte blieb es bei Betondecken.
Anschliessend wurde die Betonstruktur iterativ optimiert. Die Decken wurden auf 24 cm reduziert. In den Obergeschossen beschränkt sich der Beton im Wesentlichen auf Decken und Stützen. Die Fassade ist in Holz ausgeführt, nichttragende Innenwände als Trockenbau. Damit wurde der Materialeinsatz funktionsbezogen überprüft und auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmt.
Nachhaltigkeitsstandard bereits in der Ausschreibung
Ein Ansatz des Projekts betrifft die Beschaffung von Beton und Zement. Bereits die Ausschreibung setzte einen nachhaltigen Mindeststandard. Vorgesehen waren von Beginn an RC-Beton und ein emissionsärmerer Zementtyp. Angebote unterhalb dieses Standards standen nicht zur Auswahl. Innerhalb dieses Rahmens konnten die Anbieter zusätzliche Optimierungen vorschlagen. Das Projektteam setzte auf einen gemeinsamen Optimierungsprozess mit den ausführenden Partnern und auf Planungssicherheit bei den Anforderungen.
Für Beton und Zement wurden zudem Umweltproduktdeklarationen vertraglich eingefordert. KBOB-Werte dienten in der Planung als Orientierungswerte. Die EPDs sollten die Umweltleistung der tatsächlich eingesetzten Produkte nachvollziehbar dokumentieren. Für das Projekt wurde schliesslich ein Zement der Klasse CEM II/A-LL 42,5 N gewählt.
Re-Use im Innenausbau
Auch der Innenausbau wurde in die Betrachtung einbezogen. Knapp 2’000 Quadratmeter Doppelboden sollen mit wiederverwendeten Elementen ausgeführt werden.
Nach den vorliegenden Projektangaben liegen die produktbezogenen Emissionen der Re-Use-Lösung rund 60 Prozent unter jenen eines vergleichbaren Neuprodukts. Gegenüber dem verwendeten KBOB-Referenzwert wird eine Reduktion von rund 80 Prozent ausgewiesen. Die Re-Use-Lösung ist in diesem Projekt gegenüber der Neuproduktlösung kostenneutral. Die Kreislauffähigkeit wurde ergänzend anhand des Circularity Index Construction (CI-C) der Charta Kreislauforientiertes Bauen bewertet. Der Manegghof erreicht einen Wert von 44 Prozent. Damit liegt das Projekt noch unter dem für 2030 formulierten Zielwert von mindestens 50 Prozent.
Erstellung und Betrieb gemeinsam betrachten
Der Manegghof ist an das Energienetz der Greencity angeschlossen. Die Wärmeversorgung basiert gemäss den Projektangaben auf Erdwärmesonden und Grundwasser. Ergänzend ist eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 38 kWp und einer erwarteten Jahresproduktion von rund 38’000 Kilowattstunden vorgesehen. Rund 20 Prozent der erzeugten Energie sollen direkt vor Ort genutzt werden. Der darüber hinaus bezogene Strom stammt aus erneuerbaren Quellen und wird mit Herkunftsnachweisen belegt.
Auch die Gestaltung der Aussenräume ist Teil des Gesamtkonzepts. Versiegelte Flächen werden begrenzt, der Innenhof wird begrünt und die Einfahrt der Tiefgarage erhält eine bodengebundene Fassadenbegrünung. Versickerungsfähige Flächen und Vegetation unterstützen den natürlichen Wasserkreislauf und können die sommerliche Erwärmung des Gebäudeumfelds reduzieren. Gegenüber dem Zustand vor der Entwicklung erhöht sich der Biotopflächenfaktor um fünf Prozent. Damit nimmt der Anteil ökologisch wirksamer Flächen trotz der baulichen Verdichtung zu.
Nachhaltigkeit als kontinuierlicher Steuerungsprozess
Der Manegghof zeigt weniger eine einzelne technische Innovation als einen durchgängigen Planungs- und Beschaffungsprozess. Treibhausgasemissionen wurden fortlaufend bilanziert, in Variantenvergleichen berücksichtigt und über konkrete Mindestanforderungen sowie EPD-Nachweise in die Ausschreibung integriert. Gleichzeitig wurden Tragstruktur und Materialeinsatz iterativ hinterfragt. Dadurch konnten Schnittstellen von Beginn an berücksichtigt und Angebote auf vergleichbarer Grundlage verhandelt werden. Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen hilft dieses Vorgehen, Zusatzkosten aus späten Änderungen zu vermeiden und die Projektwirtschaftlichkeit im Griff zu behalten.
Die übertragbare Erkenntnis lautet: CO₂-Ziele entfalten erst dann Wirkung, wenn sie mit messbaren Kennwerten, klaren Verantwortlichkeiten und konkreten Anforderungen verbunden werden. Erst wenn sie Varianten, Materialwahl, Dimensionierung und Ausschreibung beeinflusst, wird sie zum wirksamen Planungsinstrument.