Projekte, CO2-Speicherung
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52 % weniger CO2 durch optimiertes Tragwerk

An der Limmattalstrasse in Zürich zeigt ein aktueller Ersatzneubau, wie durch das Zusammenspiel von Architektur und Tragwerksplanung eine deutliche Nachverdichtung mit ökologischer Effizienz kombiniert werden kann. Das Projekt ersetzt ein Doppelmehrfamilienhaus aus den späten 1950er Jahren durch einen fünfgeschossigen Zeilenbau und verdoppelt dabei die Wohnfläche auf 26 Einheiten. Der Entwurf reagiert mit präzisen Vor- und Rücksprüngen auf den grossmassstäblichen Kontext und den angrenzenden Grünraum. Balkone und Loggien aus Betonfertigteilen ergänzen die Fassade und stärken die räumliche Tiefe. Grosszügige Fensterflächen und über Eck organisierte oder durchgesteckte Grundrisse sorgen für eine zweiseitige Orientierung der Wohnungen.

52 % weniger CO<sub>2</sub> durch optimiertes Tragwerk

Tragwerkskonzept als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Systemische Materialreduktion als Primärstrategie 
Statt reinem Materialersatz lag der Fokus auf der Minimierung des Verbrauchs auf Systemebene. In enger Kooperation zwischen Architektur (idArchitekt.innen SIA AG) und Tragwerksplanung (Büeler Fischli Bauingenieure AG) entstand ein auf maximale Effizienz ausgelegtes Skelettbau-Konzept.

Ein System aus Betonfertigteil-Stützen, Unterzügen und Ortbeton-Wandscheiben übernimmt die Lastabtragung. Diese Struktur ermöglichte es, die Stärke der Betondecken auf lediglich 160 mm zu reduzieren – eine Einsparung von rund 25 % Betonvolumen gegenüber konventionellen Flachdecken.  In Kombination mit dem Einsatz von klimaneutralem Beton sanken die CO₂-Emissionen des Tragwerks um etwa 52 %.
 

Martina Wuest, Architektin und Inhaberin von idArchitekt.innen SIA AG und Patric Fischli-Boson, Inhaber und Bauingenieur bei Büeler Fischli Bauingenieure AG
Martina Wuest, Architektin und Inhaberin von idArchitekt.innen SIA AG und Patric Fischli-Boson, Inhaber und Bauingenieur bei Büeler Fischli Bauingenieure AG

Flexibilität und Haustechnik 
Trotz der monolithischen Verbindung des Tragwerks wurde eine hohe Flexibilität durch konsequente Systemtrennung erreicht. Die Haustechnik folgt einer klaren Struktur mit vertikalen Steigzonen und abgehängten Bereichen, wodurch Einlagen im Beton auf ein Minimum reduziert wurden. Dies vereinfacht künftige Anpassungen über den gesamten Lebenszyklus. Der energetische Ansatz (Minergie und GEAK A) wird durch Erdwärmesonden und eine Photovoltaikanlage ergänzt.

CO₂-Speicherung und sichtbare Materialität 
Zusätzlich setzte die Bauherrschaft auf den Beton «KLARK». Er speichert CO₂ dauerhaft im Material. Die Bindung erfolgt durch die Beigabe von Pflanzenkohle. Der Beton wurde vom Produktionspartner Eberhard hergestellt und in allen Ortbetonbauteilen ohne Erdkontakt eingesetzt. Aufgrund der charakteristischen anthrazitfarbenen Färbung erstellte das Planungsteam frühzeitig ein Mock-up an einer Kellerwand. So liessen sich die Anforderungen an die Sichtbetonqualität und die optische Wirkung vor Baubeginn verbindlich klären.

Struktur Axonometrie
Struktur Axonometrie
Deckensysteme im Vergleich
Deckensysteme im Vergleich

Fazit: Architektur und Tragwerk als gemeinsame Strategie
Das Projekt zeigt, dass die Reduktion des Materialeinsatzes ein wirksamer Ansatz ist, um den Fussabdruck eines Gebäudes zu reduzieren. Die Optimierung des Tragwerks erfolgte unabhängig vom gewählten Beton und bildet die Grundlage für die niedrige CO₂-Bilanz. Tragwerk, Architektur und Gebäudetechnik wurden früh aufeinander abgestimmt. Die Kombination aus Nachverdichtung, Tragwerksoptimierung und CO₂-Speicherung zeigt einen möglichen Weg für den urbanen Wohnungsbau. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Bauherrschaft, Architektur und Ingenieurplanung bereits in einer frühen Projektphase.

Zahlen und Fakten

Architektur: idArchitekt.innen SIA AG, Zürich

Tragwerksplanung: Büeler Fischli Bauingenieure AG, Zürich

Standort: Limmattalstrasse 404/406, Zürich

Nutzung: 26 Wohnungen, Ersatzneubau eines Doppelmehrfamilienhauses

Ausführung: Januar 2024 - Juni 2026

Bauherrschaft: Privat

Beton: KLARK AG, Landquart (geliefert durch Eberhard Bau AG)

Betonfertigelemente: Müller-Steinag Baustoff Gruppe, Rickenbach 

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