SQUARE der Universität St. Gallen; Sou Fuijimoto Architects; Fotographie: Chris Mansfield
SQUARE der Universität St. Gallen; Sou Fuijimoto Architects; Fotographie: Chris Mansfield

Wie nachhaltig ist Beton? Langlebigkeit und Kreislauf erklärt.

Beton ist ein vielseitiger, regionaler und widerstandsfähiger Baustoff. Seine hohe Langlebigkeit und die Möglichkeit zur Wiederverwendung machen Beton zu einem zentralen Bestandteil nachhaltiger, zukunftsorientierter Baukonzepte. Gerade im Hinblick auf die Klimaziele der Schweiz gewinnen die effiziente Ressourcennutzung und die Verlängerung von Lebenszyklen zunehmend an Bedeutung. Beton erfüllt in diesem Zusammenhang wichtige ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Funktionen. Er bietet Architektinnen, Bauingenieuren, Planern, Bauherren sowie Entscheidungsträgerinnen im Bau- und Umweltbereich viele Vorteile und Einsatzmöglichkeiten.

Langlebigkeit als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Die Lebensdauer eines Gebäudes beeinflusst dessen ökologische Bilanz massgeblich. Während viele Baumaterialien witterungsanfällig sind und schnell altern, zeichnet sich Beton durch Robustheit aus. Besonders seine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Druckbelastung und Bodenfeuchtigkeit hebt ihn von anderen Baustoffen ab. Dank seiner Feuerresistenz, Witterungsbeständigkeit sowie der Widerstandsfähigkeit gegenüber Wasser, Frost und Erdbeben bleibt Beton über Jahrzehnte hinweg funktional und sicher – bei minimalem Wartungsaufwand. Ob Schulhaus, Spital, Wohnbau oder Infrastrukturbauten wie Brücken, Tunnel und Staudämme – Beton bewährt sich überall dort, wo Langlebigkeit und Sicherheit gefragt sind.

Insbesondere das Schienen- und Strassennetz sowie Brücken und Tunnel müssen immer höhere Belastungen aushalten. Denn das Verkehrsaufkommen steigt, die Fahrzeuge im Strassenverkehr werden schwerer und der schienengebundene Verkehr wird schneller. Bauteile aus Beton halten dies aus, denn kaum ein anderer Baustoff erfüllt ähnlich hohe Anforderungen an die Belastbarkeit. Für maximale Belastbarkeit und Lebensdauer lässt sich Beton durch optimierte Mischungen, Nachbehandlungen und moderne Bauweisen exakt auf die jeweiligen Anforderungen abstimmen.

Aufgrund ihrer aussergewöhnlichen Beständigkeit und des damit einhergehenden Umnutzungspotenzials reduzieren Betonbauwerke den Bedarf an Ersatzneubauten. Häuser aus Beton mit intelligent geplanten, auf spätere Anpassungen ausgelegten Tragstrukturen können über Generationen hinweg bei veränderten Anforderungen umgebaut und neu genutzt werden. Diese Flexibilität in der Nutzung von Bauwerken ist ein wichtiges Nachhaltigkeitskriterium und spart wertvolle Ressourcen. Das macht Beton – bei intelligenter Auslegung – zu einem Baustoff, der sowohl Ressourcen schont als auch wirtschaftlich vorteilhaft sein kann, etwa durch geringere Instandhaltungskosten und langfristige Werterhaltung.

Recyclingbeton für die Bildung von morgen

Das SQUARE der Universität St. Gallen nutzt Beton aus rezyklierten Gesteinskörnungen und ressourcenschonendem Zement – lokal produziert. Bodenplatte, Wände und Decken zeigen: Nachhaltigkeit und Betonbau passen zusammen.

Architekten: Sou Fuijimoto Architects, Paris
Fotograf: Chris Mansfield

Recyclingbeton: Aus Alt entsteht Neu

Beton kann aufgrund seiner Zusammensetzung aus natürlichen Rohstoffen wie Kies, Sand, Zement (aus Kalkstein und Ton) sowie Wasser immer wieder rückgebaut, aufbereitet und wieder zu Recyclingbeton gemischt werden. Das schont wertvolle Ressourcen, denn die Betonbauten von heute sind Rohstofflager von morgen.

Beton kann zu einem grossen Teil – je nach Bauweise und Rückbauqualität bis zu nahezu 100% – rezykliert werden. Voraussetzung dazu ist ein sortenreiner Rückbau der Materialien. Abbruchbeton wird in der Schweiz systematisch aufbereitet und dann als sogenannter Recyclingbeton (RC-Beton) wieder in den Baustoffkreislauf eingebracht. RC-Beton ist ein hochwertiger Baustoff, dessen Herstellung und Qualitätsüberwachung nach strengen Normen erfolgt. Moderne Anlagen gewinnen dabei hochwertige Gesteinskörnungen, welche für tragende Betonbauteile geeignet sind – etwa für Wände, Decken oder Fundamente. So schliesst sich der Stoffkreislauf – mit messbarem Nutzen für Umwelt und Ressourcenschonung.

Recyclingbeton lässt sich bei vielen Verwendungen gleichwertig wie ein Standrard-Beton einsetzen und muss dabei weder in ästhetischer noch in qualitativer Hinsicht Kompromisse eingehen. Im Vergleich zu anderen Baustoffen sticht Beton in puncto Wiederverwertung hervor. Während Materialien wie Altholz aus dem Baubereich meist nur noch energetisch genutzt werden können, bleibt Beton auch stofflich verwertbar.

Recyclingbeton im Kreislauf: Beton kann nach dem Rückbau sortenrein getrennt und nahezu vollständig wiederverwendet werden. Der gewonnene Recycling-Beton erfüllt dieselben Normen wie herkömmlicher Beton – in Qualität und Ästhetik. Anders als viele Baustoffe bindet Beton beim Rückbau zusätzlich CO₂ durch Carbonatisierung.
Recyclingbeton im Kreislauf: Beton kann nach dem Rückbau sortenrein getrennt und nahezu vollständig wiederverwendet werden. Der gewonnene Recycling-Beton erfüllt dieselben Normen wie herkömmlicher Beton – in Qualität und Ästhetik. Anders als viele Baustoffe bindet Beton beim Rückbau zusätzlich CO₂ durch Carbonatisierung.

Silo Erlenmatt

Altes Silo, neue Nutzung

Das Silo Erlenmatt wurde von Harry Gugger Studio in ein Atelier- und Hostelgebäude verwandelt. Die bestehende, filigrane Betonstruktur von 1912 blieb weitgehend erhalten – durch gezielte Eingriffe wie neue Treppenkerne, eingeschnittene Bullaugen und leichte Stege wurde sie konstruktiv ergänzt und räumlich neu interpretiert. Ein vorbildlicher Umgang mit Bestand und Beton.

Architektur: Harry Gugger Studio
Fotografen: Giuseppe Micciché / Harry Gugger Studio

Re-use statt Rückbau: Betonstrukturen weiterverwenden

Dank seiner Resilienz gegenüber Umwelteinflüssen (Witterung, Feuchtigkeit, mechanische Belastung) können einzelne Betonbauteile sogar direkt weiterverwendet werden. Tragende Bauteile kann man beispielsweise bei Umbauten erhalten oder für neue Nutzungen anpassen. Diese Praxis reduziert nicht nur CO2-Emissionen, sondern auch die Umweltbelastung durch Abfall und die Nachfrage nach Primärrohstoffen wie Kies und Sand. Die hervorragenden Möglichkeiten und Ergebnisse bei der Wiederverwendung von Beton sowie seine lange Lebensdauer machen ihn zu einem zentralen Baustoff für ressourcenschonendes und verantwortungsvolles Bauen.

Beton als vielseitiger, regionaler Baustoff mit hoher Wertschöpfung

Ein oft wenig bekannter Vorteil von Beton ist die regionale Verfügbarkeit seiner Bestandteile. Die zur Betonherstellung notwendigen Rohstoffe – wie z.B. Kies, Sand, Kalkstein, Ton und Wasser – sind in der Schweiz verfügbar und ermöglichen somit einen lokalen Abbau und eine lokale Produktion mit kurzen Transportwegen. In der Schweiz sorgen etwa 500 Betonwerke für rasch verfügbares Baumaterial sowie zahlreiche sichere Arbeitsplätze. Frischbeton fährt vom Herstellerwerk bis zur Baustelle nur wenige Kilometer. Dies reduziert die CO₂-Emissionen, stärkt die regionale Wirtschaft und unterstützt die Nachhaltigkeitsziele.

Beton bietet eine hohe Gestaltungsfreiheit und lässt sich in nahezu jede Form bringen. Das schafft Raum für innovative Architektur und komplexe Bauformen – von filigranen Fassaden bis zu grossen Tragstrukturen. Nicht nur an der Fassade oder als Tragwerk ist Beton oft die richtige Wahl, sondern auch im Innenraum. Er ist emissionsfrei und setzt weder schädliche Gase noch flüchtige organische Verbindungen frei.

Beton kann Wärme und Kälte sehr gut speichern und trägt so zur besseren Energieeffizienz von Gebäuden bei. Das spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn erneuerbare Energien eingesetzt werden und der Heiz- oder Kühlbedarf gesenkt werden soll. Die Integration von Beton in nachhaltige Baukonzepte erzielt sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile. Wer Beton gezielt in nachhaltige Baukonzepte einbindet, profitiert von ökologischen und wirtschaftlichen Vorteilen.

Beton schützt zudem zuverlässig vor vielen Gefahren und Naturkatastrophen. Nach einem Brand lassen sich Betonbauten oft wieder instand setzen. Holzkonstruktionen hingegen müssen nach einem Löschwassereinsatz meist abgerissen und vollständig ersetzt werden. Auch in dieser Hinsicht zeigt sich: Beton ist robust, langlebig und ressourcenschonend.

Tanzhaus Zürich

Das Tanzhaus Zürich von Barozzi Veiga Architekten, Barcelona, wurde mit Recyclingbeton realisiert (Bilder aus dem Architekturpreis BETON 21). Recyclingbeton ist in der Schweiz längst etabliert – durch klare gesetzliche Vorgaben, eine hohe Baukultur und kurze Transportwege.

Architektur: Barozzi Veiga Architekten
Fotograf: Simon Menges

Fazit: Beton schafft nachhaltige Perspektiven

Beton ist ein Baustoff, der die Anforderungen der Gegenwart erfüllt – und zugleich Lösungen für die Zukunft bietet. Gerade im Blick auf Urbanisierung und Energiewende erweist er sich als belastbar, flexibel und effizient. Beton spielt aufgrund seiner Langlebigkeit und Wiederverwendbarkeit eine wichtige Rolle für nachhaltiges Bauen in der Schweiz. Seine robusten Eigenschaften, die Recyclingfähigkeit und die regionale Verfügbarkeit tragen dazu bei, ökologische wie auch wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Für Architekten, Bauingenieurinnen, Planende sowie Entscheidungsträger im Bauwesen schafft Beton Planungssicherheit und unterstützt Projekte, die auch langfristig funktionieren – für eine gebaute Umwelt, die kommende Generationen überzeugt.

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