Interview, CO2-Speicherung
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MACH - MAde in KoCH

Das «MACH» ist ein zentraler Baustein des neuen Koch-Quartiers in Zürich (Altstetten/Albisrieden) und wurde vom Projektentwickler und Investor SENN realisiert. Es handelt sich um ein Gewerbehaus für urbane Produktion mit rund 10'000 Quadratmetern Nutzfläche (ausbaubar auf rund 15'000 Quadratmeter) für produzierendes Gewerbe, Medien- und Digitale Produktion, Handel, Gastronomie sowie Schulungs- und Bildungsangebote. Im Erdgeschoss wird die Bäckerei Walter Buchmann mit ihrer Produktion einziehen und das Stadtparterre mit handwerklicher Qualität und lebendiger Nutzung prägen. Das «MACH» zeigt, wie robuste Bauweise, flexible Nutzung und nachhaltiger Beton zusammenspielen. Wir haben mit Johannes Eisenhut über Konzept, Herausforderungen und Lösungen gesprochen.

MACH - MAde in KoCH

Nachhaltiges Gewerbehaus für die urbane Produktion

Das «MACH» zeichnet sich durch überhohe Räume, weite Stützenraster und hohe Nutzlasten aus. Diese Struktur erlaubt es den Mietenden, bei Bedarf Galeriegeschosse einzuziehen. So lässt sich die effektive Nutzfläche pro vermieteten Quadratmeter nahezu verdoppeln. Die Mietflächen können flexibel unterteilt und angepasst werden. Das Angebot reicht von kleinen Einheiten ab etwa 150 Quadratmetern bis zur Anmietung ganzer Etagen. Der Gewerbebau ist als «Haus für urbane Produktionen» konzipiert. Dank seiner gut ausgebauten Erschliessung und Logistik mit drei mit Warenliften bestückten Kernen ist es für unterschiedlichste Nutzerinnen und Nutzer attraktiv.

Für das Gewerbehaus musste ein aufwendiges Fundament erstellt werden, wie der Projektleiter Marc Dreyfus gegenüber BETONSUISSE erklärt. Der Grundwasserpegel wurde mittels vier grosser Pumpen um rund sechs Meter abgesenkt. Das Gebäude steht auf rund 160 Bohrpfählen mit etwa 35 Meter Länge und einem Durchmesser von 70 bis 120 Zentimeter. Die Bohrpfähle bestehen aus recyceltem, mit CO2-angereichertem Beton. Die Pfähle verhindern bei Baubeginn den Auftrieb und im Endzustand ein Absinken des Gebäudes, da der Grundwasserpegel oberhalb der Arbeitsfuge der Wände und Decken im Untergeschoss liegt. Da keine Spundwandsicherung nach aussen (Nägel) angebracht werden konnte, musste die Abstützung nach innen erfolgen. Dies hatte zur Folge, dass die Bodenplatte in zwei Etappen erstellt werden musste.

Das Gebäude hat eine Skelettstruktur mit vorfabrizierten Stützen und Treppenhauskerne aus Beton. Die Geschosse und Zwischendecken wurden ausschliesslich aus recyceltem und CO2-angereicherten Beton erstellt. Die Wände wurden aus selbstverdichtendem Beton (SCC) erstellt, da aufgrund der Wandhöhen von mehr als sechs Metern und der Armierungsstahldichte ein Vibrieren der Wände technisch nicht mehr möglich war. Die Aussenwände bestehen aus einem massiven Holzständerbau, der mit Dreischichtplatten aus Fichte verkleidet sind. Diese werden innen roh und sichtbar belassen. Die Trennwände zwischen den Mietflächen sind auf ähnliche Weise aufgebaut. Der gesamte Nordwestteil des Gebäudes ruht auf drei mächtigen Stahlträgern, die auf vorfabrizierten Betonstützen stehen und mit Beton ausgegossen wurden.

Die Betonoberflächen im Gebäude sind alle vom Typ 2, BOK1, was mit Recyclingbeton gut machbar ist. Damit die Decken mit hoher Tragfähigkeit möglichst schmal ausgeführt werden konnten (30 Zentimeter), musste ein Unterzug im Stützenraser eingebaut werden. Dieser misst lediglich 50 Millimeter, ist aber komplett mit 20 Millimeter starken Armierungsstäben verstärkt.

Auf der Südseite des Gebäudes ist ein Regenwassertank vergraben. Dieser speist die Bewässerungsanlage für die Terrassenbepflanzung, für die Fassadenbepflanzung auf der Südseite und die Toilettenspülungen.

Die Rohbauzeit war mit 12 Monaten verhältnismässig kurz. Dank Schalungstisch-Systemen konnte eine Decke mit rund 2500 Quadratmeter Fläche in vier Etappen betoniert werden. Die Vorarbeiten und die Installation haben im Januar 2024 begonnen, das Untergeschoss wurde Mitte Juni 2024 fertiggestellt und der Rohbau wurde Ende Januar 2025 abgeschlossen. Die Tragfähigkeit der Böden beträgt 2000 Kilogramm pro Quadratmeter im Erdgeschoss, 1000 Kilogramm im ersten bis dritten Obergeschoss und 500 Kilogramm im Dachgeschoss.

Wie das gesamte Koch-Quartier strebt das «MACH» das Label Minergie-P-Eco an. Die Energieversorgung basiert auf Fernwärme, kombiniert mit Erdsonden zur zusätzlichen Wärmegewinnung. Die Grundsteinlegung erfolgte Ende 2023. Das Projekt ist Mitte 2026 bezugsbereit. Die Erstellungskosten werden mit 55 Millionen Franken veranschlagt.

Entwickelt und realisiert wurde das «MACH» vom Projektentwickler und Investor SENN aus St. Gallen. Das 1965 gegründete Familienunternehmen ist spezialisiert auf Areal- und Projektentwicklung sowie die Realisierung und Vermarktung von Gewerbe- und Wohnliegenschaften. Das Unternehmen hat sich konsequent der nachhaltigen Bauweise verschrieben mit dem Ziel, höchsten Nachhaltigkeitsstandards zu entsprechen.

Interview Johannes Eisenhut 1

BETONSUISSE hat Johannes Eisenhut, Geschäftsführer der Senn Development AG, zum Projekt «MACH» befragt.

Das Koch-Quartier in Zürich wurde von vier Bauträgern entwickelt: zwei Wohnbaugenossenschaften, der Stadt Zürich und Ihrem Unternehmen. In diesem Rahmen hat Ihr Unternehmen das Gewerbehaus «MACH» entwickelt und realisiert. Wie hat das Teamwork mit den anderen Bauträgern funktioniert?
Kraftwerk 1, ABZ und Senn hatten sich 2017 gemeinsam auf die Ausschreibung der Stadt Zürich für das Koch-Quartier beworben. Kraftwerk 1 und Senn kannten und schätzten sich dabei schon aus der engen Zusammenarbeit im vielfach prämierten Zwicky Süd. So entwickelte sich schon in der Bewerbungsphase eine sehr freundschaftliche und engagierte Zusammenarbeit, die dann auch in der siegreichen Konzepteingabe «Koch-Quartier – ein Zürcher Originalrezept» mündete. Auch die weitere Zusammenarbeit unter den Bauträgerinnen mit der Stadt Zürich sowohl als Bauträgerin im Park wie auch als Prozess- und Kommunikations-Leitstelle verlief sehr konstruktiv. Ich kann in vollem Ernst sagen: Es hat Spass gemacht. Neben unseren Genossen ABZ und Kraftwerk 1 und den Protagonistinnen der Stadt möchte ich das Büro Thiesen Wolf erwähnen, welche das Projekt über die letzten neun Jahre im Namen der Bauträgerinnen mit echtem Herzblut vorangetrieben und koordiniert haben.

Was hat Ihr Unternehmen dazu bewogen, bei der Entwicklung des Koch-Quartier mitzuwirken? Es war ein Projekt mit zahlreichen Auflagen wie z.B. nachhaltige Bauweise, Umgang mit Immissionen und Emissionen, effiziente Nutzung erneuerbarer Energien, Berücksichtigung von Biodiversität und Stadtklima.
Wir haben schon mit dem Gewerbehaus «NOERD» – entwickelt für die Freitag Brüder und den Böög-Bauer Aroma – und mit der Siedlung Zwicky Süd jeweils den SIA Umsicht Award gewonnen. Weil wir die Latte gerne hoch ansetzen. Dass die Stadt in ihrer Ausschreibung hohe Anforderungen stellte, hat uns deshalb nicht abgeschreckt, sondern eher herausgefordert. Nachhaltigkeit ist für uns kein Müssen, sondern ein Wollen. Entsprechend haben wir das MACH nicht nur nach der geforderten Minergie-P-eco-Richtlinie, sondern auch nach SNBS Platin erstellt.

Für welche Nutzungen ist das Gewerbehaus «MACH» gedacht und welche Anforderungen muss dieses erfüllen?
Wir wollten ein sehr robustes Gebäude herstellen, das echte Produktionsstätten beherbergen kann. Im selben Jahr der Koch-Bewerbung habe ich zusammen mit Markus Freitag und der Stadt Zürich die «Made in Zürich Initiative» gegründet. Dort lernte ich viele Unternehmer kennen, die nach wie vor (oder wieder) in der Stadt Zürich produzieren – Seife, Kaffeemaschinen, Lebensmittel… Das waren unsere Zielkunden. Gleichzeitig haben wir das Gebäude so konzipiert, dass es mit seinem industriellen Charme auch für technisiertere Betriebe attraktiv ist. Wir haben neben der Bäckerei auch Robotik, Medienproduktion und Modefirmen im «MACH».

 

Bei einem Bauvolumen von über 15’600 Quadratmeter und über 5,7 Meter hohen Raumflächen ist der Materialverbrauch naturgemäss hoch. Welche spezifischen konstruktiven Entscheidungen oder Materialwahlen wurden getroffen, um die graue Energie zu minimieren und dennoch die geforderte Robustheit für die Gewerbenutzung zu gewährleisten?
Im Wesentlichen haben wir mit Recyclingbeton gearbeitet, der mit CO2 begast wurde. Für eine Statik, die auf 5 Geschossen und 30 Metern 1000 Kilogramm Nutzlast bieten soll, kommt keine andere Bauweise in Frage.

Wie zeigt sich bei diesem Projekt die nachhaltige Bauweise?
Die Statik ist sehr optimiert und effizient. Wir haben eine massive Holz-Fassade. Die Galeriegeschosse innen werden im Holzbau realisiert. Auf dem Dach haben wir die Energiebox: photovoltaik-umhüllte und begrünte, modernste Haustechnikanlagen. Zudem haben wir eine begrünte und mit Regenwasser bewässerte Fassade. Das Haus ist hellgrau, um möglichst wenig Wärme anzuziehen. So erreichen wir Minergie-P-eco und SNBS Platin.

Stichwort Schwammstadt: Wie zeigt sich dieses Konzept beim Gewerbehaus «MACH»?
Wir haben Retentionsflächen auf dem Dach, in den Pflanzkübeln der Fassadenbegrünung, dazu einen Regenwassertank mit dem wir Pflanzen und Spülungen bedienen. Ausserdem wurden wir von Grün Stadt Zürich angehalten, bei der Entwicklung die Tiefgaragen nur unter dem Gebäudeperimeter zu erstellen. Es gibt im ganzen Koch-Park keine Unterbauung.

Auf dem Dach wurden unter anderem auch Sandflächen angelegt, die Wildbienen und Insekten Nistmöglichkeiten bieten. Was für eine Idee steckt hinter dieser Massnahme?
Wir haben mittlerweile in fast allen SENN-Projekten verschiedene Objekte auf den extensiv begrünten Flachdächern. So auch auf dem Switzerland Innovation Park Basel Area, den wir in Allschwil bauen. Biodiversität ist ein wichtiges Thema, zu dem wir beitragen wollen.

 

Im Innern kann das «MACH» dank der grossen Raumhöhe und der hohen Tragfähigkeit der Böden kleinindustrielle Betriebe aufnehmen. (Visualisierung: Nightnurse Images AG)
Im Innern kann das «MACH» dank der grossen Raumhöhe und der hohen Tragfähigkeit der Böden kleinindustrielle Betriebe aufnehmen. (Visualisierung: Nightnurse Images AG)
Die Struktur des «MACH» erlaubt, bei Bedarf Galeriegeschosse einzuziehen. (Visualisierung: Nightnurse Images AG)
Die Struktur des «MACH» erlaubt, bei Bedarf Galeriegeschosse einzuziehen. (Visualisierung: Nightnurse Images AG)

Radikale Nachhaltigkeit und hohe Flexibilität stehen oft im Spannungsfeld zur Wirtschaftlichkeit. Welche Argumente oder Berechnungen konnten Ihr Unternehmen davon überzeugen, in ein Projekt wie «MACH» zu investieren, die kurzfristig teurer sein mögen, aber langfristig Mehrwert bieten?
Nachhaltigkeit an sich ist kein «Gut» für das die Leute zahlen. Das ist eine Erkenntnis, die wir immer wieder machen. Aber ein Produkt, das durch seine Effizienz, Flexibilität, Schönheit, Qualität und Nachhaltigkeit überzeugt, ist für Firmen attraktiv. Es ist das Paket, das stimmig sein muss.»

Betrachten Sie das «MACH» als ein singuläres Projekt oder als Musterbeispiel für die künftige Stadtentwicklung in Zürich? Welche Elemente dieses Projekts lassen sich Ihrer Meinung nach problemlos auf andere Gewerbeliegenschaften übertragen?
Vorbildcharakter hatte aus meiner Sicht sicherlich der Entwicklungsprozess, so wie er von der Stadt und den Bauträgern geführt wurde. Mehr davon! Ich denke, man kann auch in der Spielanordnung von Park, Genossenschaften und Gewerbe – also dem Koch-Rezept, wie wir es hier zubereiten – einen gewissen Vorbildcharakter sehen. Den Beweis gilt es hier im Betrieb noch zu erbringen. Ob das «MACH» selbst zum Vorbild wird, müssen andere beurteilen. Ich persönlich finde die Sache mit der doppelten Raumhöhe unter einer Baumassenziffer gelungen, weil es den Mieterinnen und Mietern grosse Qualitäten und Flexibilitäten ermöglicht. Ganz neu ist dies nicht: Wir durften uns hier ganz offiziell vom Yond inspirieren lassen und dabei weiterdenken. Auch gelungen ist aus meiner Sicht der städtebauliche Walzer des «MACH» zwischen netter Parkfassade mit tollen Balkonen/Loggien und der robusten Norderschliessung. Und natürlich der Nutzermix: Im «MACH» operieren Firmen, auf die die Stadt stolz sein kann.

Zur Person:

Kindheit und Schulen in Mexiko, USA und in der Schweiz

12 Jahre Snowboard-Profi, begleitend Studium der Germanistik und Journalistik in Fribourg (lic. phil. I dipl. journ.)

3 Jahre Marketingleiter Europa Burton Snowboards

2 Jahre Mitinitiant Internet Mode Startup mit den Gebrüdern Freitag

12 Jahre Mitgründer der Werbe- und Corporate-Design-Agentur /Department United Creative Forces (jetzt FCBZürich), begleitend Dissertation in kognitiver Linguistik (Dr. phil.)

13 Jahre Geschäftsführer Senn Development AG, begleitend Mitinitiant Made in Zurich Initiative, Mitinitiant Made in St. Gallen Initiative, Standortbeirat OST

Projektbeteiligte

Architektur:
ARGE Käferstein Meister und Ekinci Architekten

Landschaft:
Kolb Landschaftsarchitektur GmbH

Bauingenieur
Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG

HLKSE:
Anima Engineering AG, Basel; SENN

Nachhaltigkeit:
SENN

Bauphysik:
Kopitsis Bauphysik AG

BIM:
SENN

Mehr Wissen rund um Beton:

Projekte, Kreislaufwirtschaft, Recyclingbeton

Wie aus einer alten Mühle ein zukunftsweisendes Wohnquartier wurde

Aus einer alten Mühle in Grüsch entstand ein zukunftsweisendes Wohnbauprojekt. Es verbindet ökologische Verantwortung, technische Präzision und gelebte Zusammenarbeit und ist das erste DGNB-zertifizierte Rückbauprojekt der Schweiz. 52 Mietwohnungen, optimierte Materialkreisläufe und ein urbaner Loftcharakter zeigen, wie nachhaltiges Bauen heute funktioniert.

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