Recyclingbeton, Infrastrukturbau
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KVA Emmenspitz: 60 % Recyclingbeton für Nachhaltigkeit

Die im ersten Quartal 2025 fertiggestellte Kehrichtverwertungsanlage Emmenspitz in Zuchwil (SO) ist mit dem «best architects 26 award» in der Kategorie Infrastrukturbauten ausgezeichnet worden. Der Entwurf der Anlage stammt vom Architektur- und Ingenieurbüro Penzel Valier aus Zürich, die den Studienauftrag für den Ersatzneubau der KVA 2017 für sich entscheiden konnten.

KVA Emmenspitz: 60 % Recyclingbeton für Nachhaltigkeit

Zum Projekt:

Die Gestaltung der KVA besticht durch eine ruhige, kräftige Gesamtform, die in einen massiven Betonsockel und einen mit rund 3’000 Photovoltaikmodulen überzogenen, leichten metallischen Aufbau gegliedert ist. Rund 53'000 Kubikmeter Beton, davon 60 Prozent Recyclingbeton und 6’600 Tonnen Bewehrung wurden in der KVA Emmenspitz verbaut. Bei 90 Prozent des eingesetzten Zements handelt es sich um CEM II/B mit einem optimierten CO2-Fussabdruck. Die Schalungs- und Etappierungsplanung der Betonstrukturen wurden in enger Zusammenarbeit zwischen Penzel Valier und AFRY während der Projektierung erstellt. Eine Besonderheit ist die Gliederung der Fassaden mit Einlagen aus Jurakalkstein: Die warmtönigen Natursteinplatten wurden während des Betoniervorgangs direkt in die Schalung eingelegt.
Johannes Süssbier ist Dipl.-Ing. Architektur und Projektleiter sowie Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung von Penzel Valier. Er studierte an der Universität Stuttgart und vertiefte sich im Bereich Digitales Bauen an der FHNW. (Bild: Penzel Valier)
Johannes Süssbier ist Dipl.-Ing. Architektur und Projektleiter sowie Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung von Penzel Valier. Er studierte an der Universität Stuttgart und vertiefte sich im Bereich Digitales Bauen an der FHNW. (Bild: Penzel Valier)

Wir durften Johannes Süssbier zu diesem aussergewöhnlichen Projekt befragen.

Die KVA Emmenspitz gleicht einem Kreuzfahrtschiff mit einem robusten Rumpf und einem filigranen Oberdeck: Welche gestalterische Idee steckt hinter dieser klaren Gliederung?
Der Neubau der Kehrichtverwertungsanlage steht als Grossform mit hohem Identifikationswert in der langgezogenen Aarelandschaft am Jurasüdfuss. Als plastisch geformte Betonskulptur integriert der Baukörper die unterschiedlichen Funktionen der verfahrenstechnischen Anlage und vereint sie zu einem rund 50 Meter hohen monolithischen Volumen. Die Gliederung des eigentlichen Kraftwerks in einen Sockelbau und die darauf stehenden Maschine veranschaulicht die funktionalen Verhältnisse und klärt zugleich die Proportionen des Kehrichtbunkers. Die auf dem massiven Sockel aufgebauten Verbrennungslinien sind mit einer leichten metallischen Hülle umgeben, ähnlich einer Karosserie im Fahrzeugbau. Der Übergang zwischen Beton und Leichtbaufassade wird durch ein transparentes Glasband, welches den Blick auf die Verbrennungsöfen erlaubt, differenziert.

45'000 Quadratmeter Sichtbeton kennzeichnen die Anlage: Wie haben Sie es geschafft, einer derart grossen Fläche diese sichtbare Lockerheit zu geben?
Um den grossen Betonflächen eine warme und ortsspezifische Erscheinung zu geben, wird die Fassade mit Einlagen des regional prägenden Natursteins gegliedert. Die Strukturierung erfolgt durch in horizontale Bänder eingelegte Platten. Sie verlaufen auf Höhe der Geschossebenen und ziehen sich im Abstand von 5,40 Meter um das Gebäude. Die Bänder geben der Anlage damit einen Massstab und repräsentieren Aussen die innere Gliederung des grossen Volumens. Zusätzlich wird die Sichtbetonfassade durch ein regelmässiges, grossmassstäbliches Schalungsbild mit eingelegten Trapezleisten und vertieften Bindlöchern rhythmisiert, die die plastische Grossform ordnen und zugleich zusammenbinden. Als weitere Ebene sind alle Fassadenelemente, wie Fenster, Türen, Tore und Wetterschutzgitter auf die Betonfassade aufgesetzt und lockern dadurch die grossen Fassadenflächen auf.

Beton gilt als Baustoff mit einem hohen CO2-Fussabdruck: Wie ist es Ihnen gelungen, diesen Fussabdruck zu reduzieren?
Die grosse allseitige Photovoltaikfassade an der Prozesshalle mit ihren rund 5‘400 Quadratmetern ist ein Wahrzeichen der Energiewende. Die neue Anlage leistet ausserdem einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zur nachhaltigen Gesellschaft. Abfall wird nicht einfach verbrannt, sondern verwertet: Es können 42’000 Haushalte mit Strom und 12’000 mit Wärme versorgt werden. Allerdings speist sich das nur aus der Abfallverbrennung, die Photovoltaikanlage ist hier noch nicht berücksichtigt. Diese Zahlen basieren auf einer Abfallmenge von 220’000 Tonnen, erlaubt sind nun jedoch 265’000 Tonnen. Wertstoffe werden zurückgewonnen und wieder dem Kreislauf zugeführt. Diese nachhaltigen Ansätze soll der Neubau der Kenova widerspiegeln. Gleichzeitig soll das infrastrukturell geprägte Gebäude als sichtbarer Betonbau Robustheit bieten und ausstrahlen. Beton kam daher überall dort zum Einsatz, wo er aus technischen und statischen Gründen erforderlich ist oder der Gebrauchstauglichkeit, Dauerhaftigkeit oder dem Brandschutz dient.

Um den CO2-Fussabdruck bestmöglich zu reduzieren, wurde im Rahmen der Planung genau evaluiert, dass wo immer technisch möglich Recycling-Beton zum Einsatz kommt. Durch die vorausschauende Planung konnte fast 60 Prozent des gesamten Betonvolumens aus rezykliertem Beton erstellt werden. Im Weiteren wurde bei der Auswahl des Primärbeton, der für statisch hochbelastete Bauteile, sowie die Fassade, eingesetzt wurde, sichergestellt, dass dieser einen möglichst niedrigen CO2-Fussabdruck aufweist.

Für den Bau der KVA Emmenspitz wurden 53'000 Kubikmeter Beton verwendet: Wie gelingt die Realisierung einer solchen Kubatur?
Die grosse Betonkubatur der Kenova erforderte bereits in der Projektierungsphase eine besonders vertiefte Planung. Das Schalungsbild der Fassade vom Typ 4.1.4 wurde von Penzel Valier bereits im Bauprojekt in Zusammenarbeit mit den Bauingenieuren von Afry geplant und die Schnittstellen mit der Etappierungsplanung aufeinander abgestimmt. Die vorausschauende Planung und Festlegung des Schalungsbilds und der Betonieretappen ermöglichte in der Ausschreibung und Ausführungsplanung eine effiziente und zielgerichtete Lieferung der Pläne und Modelle auf die Baustelle und die Einhaltung der Vorlaufzeiten für die Arbeitsvorbereitung des Baumeisters. Der Einsatz von BIM-Modellen erlaubte eine frühzeitige Koordination mit der Verfahrens- und Gebäudetechnik beispielsweise im Rahmen der modellbasierten Aussparungsplanung und unterstützte die umfangreiche Rohbauplanung zielgerichtet

Welchen Einfluss hatte BIM auf die Gestaltung des Bauablaufs?
Die Anwendung der BIM-Methode und die damit verbundene modellbasierte Planung bildete für alle am Projekt beteiligten Planer einen grossen Mehrwert. Der regelmässige, wöchentlichen Modellaustausch aller Fachmodelle von Vorprojekt bis in die Ausführung erlaubte allen Planern eine durchgehende Planung und vereinfachte die umfangreiche und komplexe Koordination der unterschiedlichen Gewerke. Die Nutzung der Modelle durch Bauherrschaft, Baumanagement, Unternehmer und Planer ermöglichte die effiziente Gestaltung der Bauabläufe unter Berücksichtigung aller Abhängigkeiten.

Wie ist die Idee entstanden, zuoberst auf dem 80 Meter hohen Kamin einen Aussichtsraum einzurichten und wer darf diesen betreten?
Der Besucherführung haben Penzel Valier bereits in der Projektkonzeption im Rahmen des Studienauftrags grosse Bedeutung beigemessen. Nach dem Prinzip einer «promenade architecturale» entstand die Idee eines Rundwegs, der zu Fuss durch die Anlage und ihre Umgebung führt. Entlang dieser Route werden architektonische Attraktionen inszeniert und zentrale Funktionen der Kehrichtverwertungsanlage erlebbar: von der Abfallanlieferung über die Stoff- und Prozesskreisläufe bis zur Energiegewinnung und Architektur. Gemäss unserem Vorschlag bildet der Aufstieg zum Aussichtspunkt «Bellevue» am Kopf des Kamins den fulminanten Abschluss des Rundgangs. Von der verglasten Plattform aus kann die Höhe der Anlage und ihre besondere landschaftliche Einbettung am Zusammenfluss von Aare und Emme, die unmittelbare Nähe der Barockstadt Solothurn, die räumlich-landschaftliche Fassung durch die Jurasüdhänge und der Blick in die Berner Alpen erlebt werden. Das Kraftwerk als grossmassstäbliche Skulptur reiht sich als Landmark ein und wird selbst zum prägnanten, erleb- und besteigbaren Ort im landschaftlichen Gefüge.

Zahlen und Fakten zur KVA Emmenspitz

Ort:
Neubau

Baukategorie (SIA 102):
Energieanlagen

Art der Aufgabe:
Neubau

Art des Verfahrens:
Wettbewerb

Beschaffungsform:
Selektives Verfahren

Baukosten in CHF (SIA 416):
506000000

Geschossfläche in m2 (SIA 416):
44000

Planung:
2017 -> 2024

Inbetriebnahme:
2025

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