Projekte, Infrastrukturbau
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Die Zukunft der Jurasüdfusslinie entsteht unter laufendem Betrieb

Zwischen Ligerz und Twann entsteht derzeit eines der anspruchsvollsten Bahnprojekte der Schweiz. Was hier gebaut wird, verbessert nicht nur die Infrastruktur. Es verändert auch die Art, wie Menschen entlang des Bielersees unterwegs sind. Gemeinsam mit Philippe Cornaz, Gesamtprojektleiter der SBB, besuchten wir die Baustelle und erhielten spannende Einblicke in das Projekt.

Die Zukunft der Jurasüdfusslinie entsteht unter laufendem Betrieb

Ein Engpass verschwindet – der Fahrplan gewinnt an Stabilität

Die Bahnstrecke bildet heute noch einen der letzten eingleisigen Abschnitte auf der wichtigen West-Ost-Verbindung zwischen Lausanne und Biel. Mit dem neuen Doppelspurtunnel verschwindet dieser Engpass. Ab 2029 profitieren Reisende von stabileren Fahrplänen und vom Halbstundentakt im Regionalverkehr – ohne Einschränkungen für den Güterverkehr. Für viele Fahrgäste wird sich die Veränderung später ganz selbstverständlich anfühlen. Die Züge fahren pünktlicher und die Anschlüsse funktionieren zuverlässiger. Zwischen Neuchâtel und Biel verkürzt sich die Fahrzeit um 37 Sekunden. Was nach wenig klingt, ist für die Stabilität des Schweizer Fahrplans entscheidend.

Das Projekt ist Teil des Ausbauschritts 2025 des Programms FABI zur Finanzierung und zum Ausbau der Bahninfrastruktur. Das Herzstück ist ein rund 2,1 Kilometer langer Doppelspurtunnel. Insgesamt umfasst das Projekt eine Strecke von zehn Kilometern. Besonders eindrücklich ist die Baustelle unter laufendem Betrieb. Rund 180 Züge verkehren täglich auf der bestehenden Linie. Direkt daneben entstehen neue Tunnel- und Gleisstrukturen – eingezwängt zwischen Bielersee, Hanglage, Nationalstrasse und Siedlungsraum. Ob Schutzmauern, Tunnelbauwerke oder Schwellen – Beton ist ein zentraler Baustoff dieses Projekts.

Luftaufnahme der Baustelle für den Doppelspurausbau zwischen Neuenstadt, Ligerz und Twann am Bielersee. Das Projekt umfasst den Bau eines 2,13 Kilometer langen Bahntunnels und liegt in einer landschaftlich und kulturell besonders sensiblen Region mit national geschützten Ortsbildern und Landschaften. Das Projekt kombiniert die Disziplinen Tunnelbau, Ingenieurbau, Spezialtiefbau, Seearbeiten und Bahntechnik. © SBB CFF FFS, Stand 03.2026.
Luftaufnahme der Baustelle für den Doppelspurausbau zwischen Neuenstadt, Ligerz und Twann am Bielersee. Das Projekt umfasst den Bau eines 2,13 Kilometer langen Bahntunnels und liegt in einer landschaftlich und kulturell besonders sensiblen Region mit national geschützten Ortsbildern und Landschaften. Das Projekt kombiniert die Disziplinen Tunnelbau, Ingenieurbau, Spezialtiefbau, Seearbeiten und Bahntechnik. © SBB CFF FFS, Stand 03.2026.

Bauen zwischen See, Schutzgebiet und Bahnbetrieb

Die geologischen Bedingungen sind aussergewöhnlich komplex. Instabile Hänge, weiche Seeablagerungen und die Lage im Grundwasserschutzgebiet verlangen höchste Präzision. Gleichzeitig muss der Bahnbetrieb jederzeit zuverlässig funktionieren. Auch die Landschaft prägt das Projekt. Gebaut wird entlang des Bielersees, mitten in geschützten Weinbaugebieten und sensiblen Ökosystemen. In unmittelbarer Nähe liegen Quellen, die drei Dörfer mit Trinkwasser versorgen. Zudem befindet sich die kantonale Fischzucht  direkt neben der Baustelle. Dort werden jedes Frühjahr rund 1,58 Millionen Jungfische aufgezogen. Der Umgang mit Natur und Umwelt zeigt sich bis ins Detail. Eine Biberfamilie wurde erfolgreich umgesiedelt und beim Tunnelvortrieb kommt erstmals in der Schweiz ein neuartiger Emulsionssprengstoff zum Einsatz. Dieser verursacht keine toxischen Stickstoffmonoxid-Gase, hinterlässt keine schädlichen Rückstände im Wasser und ist PFAS-frei.

 Video zu den Sprengarbeiten im Ligerztunnel (Sommer 2025). Für die Sprengarbeiten kommt ein innovativer, biologisch abbaubarer Emulsionssprengstoff zum Einsatz.
Video zu den Sprengarbeiten im Ligerztunnel (Sommer 2025). Für die Sprengarbeiten kommt ein innovativer, biologisch abbaubarer Emulsionssprengstoff zum Einsatz.

Wenn der Bielersee Teil der Baustellenlogistik wird

Beeindruckend ist auch die Logistik hinter dem Projekt. Das Ausbruchmaterial wird nicht über die engen Uferstrassen transportiert, sondern per Lastkahn über den Bielersee und den Zihlkanal nach Cornaux verschifft. Mehr als 160 Schiffstransporte ersetzten dadurch über 2’600 Lastwagenfahrten. Ein Teil des Materials wird direkt wiederverwendet. So entsteht ein Infrastrukturprojekt, das Kreislaufwirtschaft nicht nur plant, sondern konkret umsetzt.

Ein Projekt, das Menschen und Regionen verbindet

Für Philippe Cornaz, Gesamtprojektleiter der SBB, ist das Projekt weit mehr als eine technische Aufgabe. Besonders prägend ist die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort. Trotz der Grösse und Komplexität des Projekts gab es entlang der zehn Kilometer langen Strecke nur wenige Einsprachen.

Ein Satz aus dem Gespräch mit Philippe Cornaz bleibt besonders hängen: «Unsere Bahn ist das Rückgrat der Schweiz.» Und vielleicht beschreibt genau das die Bedeutung dieses Projekts. Die neue Strecke verbindet nicht nur Regionen. Sie schafft Verlässlichkeit im Alltag von Tausenden Reisenden.
Auch menschlich hinterlässt die Baustelle Spuren. Philippe Cornaz erzählt von Momenten, die weit über Technik und Bauabläufe hinausgehen. Etwa von der traditionellen St.-Barbara-Feier im Tunnel – einem stillen Moment des Innehaltens mitten im Baustellenalltag. Oder davon, wie sein eigener Sohn als junger Geologe erstmals selbst im Tunnel arbeitete, nachdem ihn das Projekt jahrelang zuhause begleitet hatte.

Mit dem Doppelspurausbau verändert sich auch die Region nachhaltig. Teile der alten Bahnlinie am See werden rückgebaut. Dadurch entstehen neue Freiräume – unter anderem für eine durchgehende Veloverbindung entlang des Bielersees. Am Ende bleibt der Eindruck eines Projekts, das weit mehr leistet als den Bau eines Tunnels. Hier entstehen neue Verbindungen zwischen Mobilität, Landschaft und Menschen. Präzise geplant. Technisch hochkomplex. Und mit grossem Respekt gegenüber dem Ort, an dem gebaut wird.

Die Luftaufnahme zeigt die Baustelle des Doppelspurausbaus zwischen Neuchâtel und Biel. Die Arbeiten erfolgen direkt neben der bestehenden Bahnlinie, auf der täglich rund 180 Züge verkehren. Der Bau verlangt eine präzise Abstimmung zwischen Bahnbetrieb, Bauarbeiten und Sicherheitsanforderungen. Gleichzeitig schützen umfangreiche Massnahmen die angrenzenden Natur- und Uferbereiche entlang des Bielersees. Die Aufnahme macht sichtbar, wie eng Infrastruktur, Landschaft und Siedlungsraum an diesem Standort miteinander verflochten sind. © SBB CFF FFS, Stand 03.2026.
Die Luftaufnahme zeigt die Baustelle des Doppelspurausbaus zwischen Neuchâtel und Biel. Die Arbeiten erfolgen direkt neben der bestehenden Bahnlinie, auf der täglich rund 180 Züge verkehren. Der Bau verlangt eine präzise Abstimmung zwischen Bahnbetrieb, Bauarbeiten und Sicherheitsanforderungen. Gleichzeitig schützen umfangreiche Massnahmen die angrenzenden Natur- und Uferbereiche entlang des Bielersees. Die Aufnahme macht sichtbar, wie eng Infrastruktur, Landschaft und Siedlungsraum an diesem Standort miteinander verflochten sind. © SBB CFF FFS, Stand 03.2026.

Die Dimensionen des Projekts zeigen sich auch in den Zahlen

  • 2,13 Kilometer langer Doppelspurtunnel
  • 988’000 Tonnen Ausbruchmaterial
  • 32’000 Quadratmeter frei werdende Fläche entlang der alten Bahnlinie
  • 10’500 Kubikmeter zwischengelagerte Rebenerde
  • Investitionen von rund 431 Millionen Franken
Sektor Ost: Blick von oben (Seeschüttung). © SBB CFF FFS
Sektor Ost: Blick von oben (Seeschüttung). © SBB CFF FFS

Weiterführende Links

Herzlichen Dank der SBB und Implenia für die Bilder, Videos und Visualisierung.

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