Farbe als gestalterisches Mittel
Die bunte Bemalung des Beckens war zunächst nicht vorgesehen, wurde aber auf Wunsch der Gemeinde umgesetzt. Die Farben – Blau, Gelb, Rot – markieren Sicherheitsbereiche, schützen vor Korrosion und verleihen dem Ort eine verspielte Identität. Sie betonen die bei der Umnutzung vorgenommenen Eingriffe in die Betonstruktur und schaffen eine visuelle Verbindung zwischen Alt und Neu.
Kreislaufwirtschaft im Kleinen
Ein zentrales Anliegen des Projekts war die Ressourcenschonung. Fast das gesamte entfernte Material blieb am Ort:
- Betonausschnitte wurden zu Sitzgelegenheiten oder Stufen umfunktioniert.
- Aus der Bodenplatte gefräste Bohrkerne dienten als Sitzmöglichkeiten.
- Metallteile der alten Anlage fanden als Klettergriffe oder Halterungen Verwendung.
Die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern erlaubte flexible Lösungen: So wurden ursprünglich rechteckig geplante Pflanzlöcher durch kreisförmige Bohrungen ersetzt, da diese einfacher zu realisieren waren. Die entstandenen Öffnungen bieten nun Platz für Zitterpappeln, die in wenigen Jahren Schatten spenden werden.
Herausforderungen und Kompromisse
Nicht alle Ideen liessen sich umsetzen. So musste der Plan, eine der schrägen Betonwände in eine Kletterwand zu verwandeln, aus Sicherheitsgründen verworfen werden: Der Fuss der Wand hätte mit einem teuren, sturzabsorbierenden Bodenbelag versehen werden müssen. Stattdessen entstanden lokal begrenzte Kletterelemente aus Naturstein.
Auch die Zertifizierung als Spielplatz gestaltete sich schwierig, da die Gestaltung bewusst von den üblichen Spielplatznormen abwich. Durch den Einsatz farbiger, stossdämpfender Böden und die Markierung von Sicherheitsbereichen gelang es jedoch, die Vorgaben zu erfüllen, ohne den experimentellen Charakter des Ortes zu verlieren.
Resultat: Ein Ort der Begegnung
Heute ist das ehemalige Klärbecken ein beliebter Spiel- und Begegnungsort. Kinder nutzen die Wasserspiele, klettern auf den Betonwänden oder rutschen über die integrierte Rutschbahn. Die offene Gestaltung lädt zur freien Aneignung ein: Es gibt keine vorgegebenen Spielregeln, sondern Raum für Fantasie.
Die Haltung zum Projekt in der Gemeinde war zunächst skeptisch, doch die bunte Gestaltung und die sichtbare Freude der Kinder überzeugten schnell. Selbst kleine Beschädigungen oder Graffiti werden nicht als Vandalismus, sondern als Zeichen der Nutzung wahrgenommen – ein Beleg dafür, dass der Ort angenommen wurde.
Ein Modell für die Zukunft?
Das Projekt in Aproz zeigt, wie stillgelegte Infrastrukturen durch kreative Planung und partizipative Prozesse neues Leben erhalten können. En-dehors gelang es, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte ohne aufwendige Neubauten oder Materialtransporte zu vereinen. Die Umnutzung des Klärbeckens ist damit nicht nur ein lokaler Erfolg, sondern auch ein Impuls für ähnliche Projekte.
Dass solche Ideen nicht von heute auf morgen entstehen, ist ebenfalls eine Lehre, die aus diesem Projekt gezogen werden konnte: 30 Jahre stand das Becken leer, bis es eine sinnvolle Neunutzung erhielt.