Was macht die Trinkwasserversorgung in einem heissen Sommer? Sie liefert. Dank dem Zürichsee stossen wir eigentlich nie an Grenzen. Man kann also getrost seine Rosen auch in einem Hitzesommer giessen. Dennoch ist es uns wichtig, dass man nicht einfach Wasser verschwendet. Wasser ist ein sehr kostbares Gut, auch wenn es bei uns extrem günstig, in enormen Mengen und allerbester Trinkqualität zur Verfügung steht.
Sie sind im Trinkwassernetzwerk Kilchberg, Rüschlikon, Thalwil, Horgen organisiert. Hilft man sich im Notfall auch weiter aus? So zum Beispiel, wenn Zürich zu wenig Wasser hat? Oder Wädenswil? Ja, klar. Wie jetzt beim Neubau. Während meine Anlage gebaut wird, beziehen wir Wasser von den anderen. Und umgekehrt. Der Austausch im Verbund ist hervorragend.
Was ist eigentlich eine Brunnenstube? Das ist wohl kaum der Aufenthaltsraum der Brunnenmeister, oder? Nein, in der Brunnenstube wird weder gejasst noch gekäfelet. Es ist ein Schacht, in den das Quellwasser gepumpt, oder gefasst wird, wie wir sagen. Die Brunnenstube ist übrigens oft ebenfalls aus Beton gebaut.
Ist Wasser ein knappes Gut? Knapp wird es dank unserer Anlagen nicht. Trotzdem leben wir hier sehr privilegiert. Wo sonst dreht man den Hahn auf und erhält jederzeit allerbestes Trinkwasser? Für mich ist Trinkwasser das wichtigste Lebensmittel überhaupt. Ähnlich wie Salz ist es für viele Menschen selbstverständlich geworden. Damit das so bleibt, arbeiten wir jeden Tag daran.
Betreiben Sie Wassersport bzw. sind Sie eine Wasserratte? Und wie! Schwimmen, Wakeboarden, Surfen und Tauchen. Je mehr Wasser, desto besser!
Tauchen Sie auch ins Reservoir, wenn das nötig wäre? Nein, ins Reservoir geht man nur in Schutzkleidung. Und falls Arbeiten nötig sind, wird das Wasser vorher abgelassen. Es gibt aber Spezialtaucher, die unter anderem in die grossen Grundwasserschächte tauchen, um Inspektionen vorzunehmen. Ich ziehe Tauchgänge im Meer vor.
Wer hat das beste Trinkwasser im Land? Gibt es überhaupt nennenswerte Unterschiede? Das ist natürlich bei uns ein grosses Thema und es gibt entsprechend viele Meinungen darüber. Ich schwöre natürlich auf unser Rüschliker Trinkwasser. Bei den Wassern, die man in der Gastronomie bekommt, mag ich Eptinger fast am liebsten. Die mineralische Note gefällt mir sehr.
Pflegen Sie Kontakte zum Ausland? Gibt es internationale Brunnenmeistertreffen? Das nicht. Aber wir treffen uns einmal pro Monat im lokalen Verbund am linken Zürichsee. Und es gibt den Brunnenmeisterverband, der sich regelmässig austauscht.
Würde Sie ein internationales Hilfsprojekt rund ums Thema Brunnenbau reizen, z. B. in der Sahelzone? Das wäre natürlich toll! Ein halbes Jahr oder so mein Wissen über Wasser, Hygiene und Brunnenbau weiterzugeben. Aber meine Frau und mein Chef wären davon wohl weniger begeistert.
Wie wohnen Sie? Holz oder Beton? Beides. Beton im Einklang mit Holz! Vergleichbar mit unserem Reservoir, wo Beton und Wasser ein perfektes Team bilden.
Herr Crameri, besten Dank für das Gespräch!